Filmkritik: Conjuring 2

Wer hat Angst vor der bösen Nonne?

James Wan will uns mal wieder das Gruseln lehren. Mit CONJURING 2 will er den Erfolg seines ersten Schockers um das Dämonologen Ehepaar Warren fortsetzen. Die bisherigen Kritiken versprechen viel – können wir die Meinung teilen?


Quelle Trailer:Warner Bros. DE

Handlung:

Nach der Untersuchung des Amityville Horrors sind Ed und Lorraine Warren wahre Berühmtheiten geworden. Doch scheint ihnen ein Geist aus Amityville gefolgt zu sein. Lorraine leidet unter verstörenden Visionen und will die Geisterjagd aufgeben. Doch dann erreicht das Ehepaar ein Hilferuf aus London. Die Familie Hodgson wird in Enfield von einem Geist heimgesucht. Die empfängliche Tochter Janet zeigt sich sogar besessen. Können die Warrens der Londonder Familie helfen?

Kritik:

James Wan gilt für viele als Meister des Horrors. Kasssenerfolge wie SAW, INSIDIOUS und auch CONJURING sprechen wohl dafür. Obwohl wir Motion Picture Maniacs gern Horrorfilme schauen, sind wird doch nur schwer zu überzeugen bzw. zu erschrecken. Auch James Wans Leistung ist für uns ein auf und ab. CONJURING 2 hatte somit ein hartes Publikum vor sich.

Eine wahre Geistergeschichte, die auch noch in London spielt, der Stadt, in der wir MPMs jetzt leben. Das setzt zumindest doch einmal die richtige Grundstimmung um sich mit fremden Menschen in einen dunklen Kinosaal zu setzen und sich zu gruseln. Der Film beginnt mit einer netten kleinen Seance im Amityville Haus, wir bekommen also 2 Geistergeschichten zum Preis von einer – soweit so gut. Ein dunkler Keller, in dessen Ecken jede Menge böse Gestalten lauern können – nicht wirklich neu, aber es hält den Spannungslevel – ist genehmigt. Dann Wumm – das Monster ist da – es ist – eine Nonne. Erster Gedanke – WTF?! Zweiter Blick – OMG, diese Nonne sieht verdammt gruselig aus. Gruseliger Geist, einige Klischeeszenen aber Stimmungseffekte, die das Spannungslevel durchaus auf einem moderaten Level halten – der Anfang ist in Ordnung.

Jetzt kommt das Problem – so zieht es sich im gesamten Film fort. Es ist das typische – folge nicht dem gruseligen Flüstern, geh nicht allein in den dunklen Flur, nein; geh nicht nach unten den Keller – gleich passiert etwas, gleich passiert etwas, gleich passiert etwas. Tatsächlich saß ich wirklich im Kinosaal und konnte mir nicht verkneifen gefühlt alle 5 Minuten zu sagen oder schon fast zu skandieren: „Something’s gonna happen“.

Ich gebe zu, es gab tatsächlich 2-3 Szenen bei denen ich mich erschrocken habe. Das muss ich immerhin anerkennen. Dazu war der Abspann schon ziemlich creepy. Freut euch auf die Original Tonbandaufnahme von der kleinen Janet und ein paar Fotos. Der Film schließt außerdem mit einem Bild, das euch im Kopf bleiben wird – man will am liebsten gar nicht so lange hinsehen.

Das große Problem dieses Films sind jedoch einfach die Horror-Klischees. Anfangs ist dies sicher noch verzeihlich, doch gegen Ende vernichtet es einfach jeden Schreck-Effekt. Selbst meine zartbesaitete britische Freundin neben mir im Sessel, die anfangs noch kaum hinsehen wollte, konnte schließlich ihre Kommentare und einiges Schmunzeln nicht mehr zurückhalten. Okay, okay – es ist eine wahre Begebenheit, die Story muss sich also an dem Verhalten der Familie Hodgson orientieren und vielleicht waren diese wirklich – no offense – so dumm. Wieso bleibst du in einem Haus, das eindeutig von einem Geist heimgesucht wird? Wieso kommunizierst du sogar mit den Geist und stachelst ihn an? Und wenn du weißt, wie du den Geist besiegen kannst, wieso wartest du dann mit der entscheidenden Handlung bis es fast zu spät ist und wanderst seelenruhig erstmal eine Runde durch das Haus? Es sind diese Momente, die einfach jeden Horrorfilm und jedwede Gruselstimmung zerstören. Natürlich wären Horrorfilme mit klugen Entscheidungen der Charaktere sicher ziemlich kurz oder würden gar nicht erst stattfinden – aber bitte liebe Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure, versucht doch solche Momente auf ein Minimum zu reduzieren.

Und da wir gerade von Klischees sprechen – die Ortswechsel nach London wird doch tatsächlich mit einer kleinen filmische Touritour eingeleitet, die von den Klängen „London Calling“s untermalt wird. Das ist wirklich dein Ernst James Wan? Für mich die schlimmste Szene des Films.

Fazit:

CONJURING 2 ist in der Masse der, vor allem schlechten, Horrorfilme schon eher ein positiveres Beispiel. Der Film vermag es eine gewisse, düstere Stimmung aufzubauen und wartet sogar mit einigen Schreckmomenten. Leider kann James Wan typische Horror-Klischees nicht ablegen und zerstört somit den Gesamteindruck des Films.

06-couchpotatos-neu

 

[atari]

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2 Gedanken zu “Filmkritik: Conjuring 2

  1. Ich sehe, du mochtest auch den ersten Conjuring nicht so sehr. Von daher kann ich verstehen, dass dir Teil 2 ebenfalls nicht so gefallen hat. Ich dagegen mochte beide und finde Teil 2 sogar noch ein bisschen besser. Für mich funktioniert Wans Old-School-Horror bestens und ich liebe die Tatsache, dass er teils sehr geduldig auf seinen Moment wartet und (für mich) eine gute Atmosphäre des Gruselns aufbaut. Die „Conjuring“-Filme gehören für mich auf jeden Fall zu den guten Errungenschaften des neuen Horrors…

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    • Mit dem Warten auf Momente muss ich dir zustimmen – das gefiel mir auch und hat durchaus Spannung aufgebaut. Zu Beginn des Films funktionierte es auch gut für mich, nur später nahmen die Klischees überhand. Aber trotzdem in der Masse der Horrorfilme einer der besseren. Unterhaltung war auf jeden Fall da, wir sind eben nicht mehr so einfach zu erschrecken und daran messe ich Horrorfilme 😉

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