Filmkritik: The Jungle Book

Wer hat Angst vorm dunklen Dschungel?

Mit THE JUNGLE BOOK will Disney erneut einen seiner Klassiker in einer Realverfilmung ausschröpfen. Ob wir hier nur einfallslose Geldmacherei oder einen großen Kinokracher vor uns haben, gehen wir auf die Spur.


Quelle Trailer:Disney Deutschland

Handlung:

Mogli ist ein Menschenjunge der als Waise im Dschungel von den Tieren aufgezogen wird – seine Familie sind die Wölfe. Als der rachsüchtige Tiger Schir Khan von Mogli erfährt, fordert er die Dschungeltiere auf, Mogli auszuliefern um den Frieden zu wahren. Um Mogli zu retten bleibt nur eines – er muss den Dschungel verlassen und zu den Menschen zurückkehren.

Kritik:

DAS DSCHUNGELBUCH war zumindest in Deutschland der erfolgreichste Disney-Film aller Zeiten. Diesen Klassiker einem Remake zu unterwerfen und dann noch einer Realverfilmung scheinte eine große Herausforderung – bei einem Versagen schreien wir Fans und unsere inneren Kinder laut auf. Doch ich gebe bereits jetzt Entwarnung – ein Kinobesuch lohnt sich und bis auf die gefährlichen Kreaturen des Dschungels gibt es hier nichts zu befürchten.

Zunächst reiht sich THE JUNGLE BOOK in die Riege der dümmlichen deutschen Filmtitel ein – wieso dieses eine Mal den Film nicht übersetzen und den alten Filmtitel benutzen? Diese Frage kam bei mir auf. Doch nachdem ich den Film gesehen habe muss ich sagen – korrekte Wahl. Denn wer eine reine Realfilmadaption erwartet ist hier falsch. THE JUNGLE BOOK ist nicht DSCHUNGELBUCH und hat sich seinen Titel damit verdient.

Die Entscheidung dem Film bzw. der Geschichte einen neuen Touch zu geben, war wirklich clever. Auf diese Weise können wir alten Hasen, die mit dem Zeichentrickfilm aufgewachsen sind, die Geschichte auf eine neue Weise genießen, für uns wirkt es weder langweilig, noch sehen wir uns dem dringenden Gefühl ausgesetzt ständig Vergleiche ziehen zu müssen. Wer das Original nicht kennt, der erlebt einfach ein neues und spannendes Abenteuer.

Wir bewegen uns nun im Realfilm-Stil. Ob nun der große Dschungel oder die Dschungeltiere, wie Panther, Wolf und Bär – bunt, fröhlich und hell sind hier eher selten auf der Tagesordnung. Allein durch dieses Setting bekommt der Film einen weitaus dunkleren Touch. Die Filmemacher waren sich dessen bewusst und haben es der Geschichte erlaubt diese Athmosphäre voll auszuleben. Traurige oder gefährliche Szenen werden in den Mittelpunkt gerückt, der Geschichte ein erwachsenerer Touch verliehen. Die Spannung ist während der gesamten Filmlänge zum Greifen nah. Selbst echte Schreckmomente werden nicht ausgelassen – für Kinder sicher nahezu das Gefühl eines Gruselfilms.

Entsprechend wurde ein Großteil der Songs aus dem Original ausgelassen, um die Stimmung nicht zu zerstören. Lediglich die 2 großen Hits von King Loui und Balu erklingen. Ist dies mit Balu noch gut gelöst und fügt sich natürlich in die Handlung ein, wirkt es bei King Loui wirklich fehl am Platz. Im einen Moment bedroht der überdimensionale Affenkönig (hier hört die Authentizität wohl auf) noch Mogli um ihm im nächsten Moment fröhliche Töne um die Ohren zu werfen. Zwar entwickelt sich daraus schnell eine Verfolgungsjagd, in der uns eine Art instrumentaler tief-dröhnender Remix des Dubidu erfreut – dennoch wirkt die Szene etwas holprig.

Alles andere als holprig ist Idris Elbas Darstellung von Shir Khan. Wer das Glück hat den Film im Originalton zu sehen wird erleben, dass Elba einfach die perfekte Besetzung für den Tiger war. Diese tiefe, dunkle Stimme jagt einem einfach Schauer über den Rücken. You better not mess with him.

Auch emotional schickt uns THE JUNGLE BOOK auf eine Reise. Trauer, Freude, Angst, Wut – wir erleben jedes Spektrum menschlicher Gefühle. Wir leiden mit den Tieren und Mogli. Trotz des eher düsteren Touchs werden einige Lacher und heitere Momente geschickt in die Handlung eingewebt – sie wirken nie aufgedrängt. Ich persönlich stand ständig unter Spannung – die Haare waren aufgestellt, der Puls raste, das Herz pochte und die Tränchen liefen.

Fazit:

THE JUNGLE BOOK ist die bisher gelungenste Realverfilmung von Disney. Eine alte Story in völlig neuem Gewand, die ein spannendes Abenteuer mit vielen Emotionen liefert.

Tipp: Wer in der Vergangenheit lebt und ständig Vergleiche mit dem Original anstellt wird wohl weniger auf seine Kosten kommen. Also einfach akzeptieren, dass wir hier einen ganz neuen Film vor uns haben und genießen.

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[atari]

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: The Jungle Book

  1. Ja, ich war auch erstaunlich begeistert. Erstaunlich deswegen, weil mir die ersten Trailer wirklich nicht gefallen haben und ich diese ganzen Animationen nicht gut fand. War dann aber trotzdem im Kino und war begeistert. Ja, Vergleiche zum Original darf man wirklich nicht antreten… auch wenn ein paar Verweise im Film selbst kommen, steht „The Jungle Book“ doch gut für sich allein. Und ich mochte ja Christopher Walken als King Louie unglaublich gern.

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