Filmkritik: Pan

Willkommen im Nimmerland

PAN bringt uns eine der schönsten Kindergeschichten zurück auf die Leinwand. Als Prequel folgt der Film dem immer wiederkehrenden Trend der Vorgeschichte. Ob wir wirklich wissen wollen, wie Peter nach Nimmerland kam?


Quelle Trailer: Warner Bros. DE

Handlung:

Peter wächst in einem Waisenhaus in London auf. Der quirlige 12-Jährige lässt sich von der harten Welt nicht so leicht unterkriegen. Als eines Tages Kinder aus dem Heim verschwinden, geht er dem lieber auf den Grund als sich zu verstecken. Als die kinder-raubenden Piraten erneut zuschlagen, wird auch Peter gefasst und ins Nimmerland gebracht. Die fantastische Welt hält für Peter so einige Gefahren, Abenteuer, Freunde und Geheimnisse parat, die ihm seine wahre Herkunft und Bestimmung offenbaren wird.

Kritik:

Wieder einmal muss ich meine Kritik mit einem Geständnis beginnen – ich war schon immer fasziniert von Peter Pan, dem Nimmerland und allen möglichen Verfilmungen, Büchern oder Theaterstücken. Ich sauge wirklich alles auf, was ich rund um den Jungen, der nicht erwachsen werden will, in die Finger bekomme. Daher ist mein Blick vielleicht etwas getrübt – auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht weiß ob positiv oder negativ.

PAN liefert uns also mal wieder ein Prequel – denn ein Remake ist bei dieser vielfach umgesetzten Geschichte wohl langweilig. Der Ansatz ist nicht verkehrt – gerade die Idee, dass Hook und Pan zunächst Freunde waren. Dazu stammt der Film von den Machern von Harry Potter – lässt also gutes vermuten.

Bei gut kann ich meinetwegen noch gerade so mitgehen – aber herausragend sind Peters Anfänge sicher nicht. Mal wieder habe ich das Gefühl, dass ein Film mit viel Potential der Zensur der Kindertauglichkeit unterliegt. Natürlich ist Peter Pan eine Kindergeschichte, ein Familienfilm, aber zu einer Familie gehören nun einmal auch Erwachsene. Außerdem lässt sich zurecht behaupten, dass ein gewisser Nostalgie-Hype umgeht – wir erwachsen gewordenen Kinder wollen unsere Helden der Jugend wieder auf den großen Kinoleinwänden sehen. Und wenn Peter Pan nicht genau diese Stimmung des nicht ganz erwachsen-werden-wollens aufgreift, welche Geschichte bitte dann?

Mir ist PAN also doch etwas zu kindisch geworden – in den Dialogen, vor allem in der Art des Humors und teilweise auch in den zu überstehenden Abenteuern. Natürlich werden auch erwachsenere Themen angesprochen – die Suche nach der Herkunft zur Charakterentwicklung oder ein Arbeitslager voller Kinder. Dennoch geht mir etwas die Verbindung von jung und alt verloren – Kinder werden in diesem Film einfach mehr Spaß haben.

Die Ereignisse sind sehr schnelllebig, die Entwicklung der Geschichte rasant. So kommt zwar keine Langeweile auf, aber es nimmt auch die Zeit für nötige Details in der Charakterentwicklung oder dem Aufnehmen des Zaubers von Nimmerland. So ist das riesige Krokodil perfekt animiert und jagt einem mit seiner Größe echt Angst ein, doch kommt es trotz seines imposanten Erscheinens nur für einen kurzen Sprung von der Ersatzbank. So ist es auch mit anderen Teilen der Original-Geschichte, Abschnitte deren Hintergründe wir ja in diesem Film eigentlich entdecken wollten. Doch leider gibt es nicht sehr viel zu entdecken, viele Fragen bleiben offen.

ACHTUNG SPOILER: Am Ende setzt man lieber auf ein Happy End, als die Herkunft eines tiefgehenden Konflikts aufzuklären.

Obwohl viele Frauen sicher mit dem Aussehen Hooks mehr als zufrieden sein werden, war er mir doch eine Spur zu platt. Der typische Aufschneider, der sich hinter großen Sprüchen, Witz und schlechten Anmachen versteckt. Natürlich macht ihn seine Einfachheit auch irgendwie sympathisch und er beschert uns so einige Lacher. Am Ende frag ich mich jedoch wie bei fehlender Tiefe je ein Konflikt entstehen soll – der seinen Charakter so stark verändert. Peter und Smie wirken da doch etwas ausgereifter, gerade Newcomer Levi Miller ist wirklich sympathisch. Wenngleich auch ihre Charaktere eher einfach gezeichnet sind, so harmoniert dies mit der Geschichte. Tiger Lilly wirkt leider wie unnötiges Beiwerk – lasst uns die Frauen-Quote anheben.

Eins erschließt sich mir zudem bis jetzt noch nicht – was sollte das mit den Musical-Einlagen alter Klassiker wie „Smells like Teen Spirit“???!!! Weder ist der Film als Musical noch als Old-meets-new aufgezogen. Besonders merkwürdig wird es vor allem da sich dieses „Stilmittel“ nicht einmal durch die gesamte Filmlänge hindurchzieht. Gab es etwa eine Klausel in Hugh Jackmans Vertrag, dass er mindestens einen Song schmettern darf? Ich bin nur verwirrt und aus jeglicher magischer Stimmung gekickt.

Fazit:

PAN ist eine standardmäßige Familien-Sonntag-Unterhaltung – wenn der Fernseher kaputt ist. Wenngleich nicht unbedingt ein Spaß für die ganze Familie, so doch zumindest für die Kinder. Die fehlende Tiefe der Geschichte und detaillierte Verbindung zum Original, lassen bei Erwachsenen leider nicht annähernd die Nostalgie-Bombe platzen.

05 von 10 Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen, eine Comic-Kartoffel.
[atari]

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