Filmkritik: LEGEND

God save the Krays

Mit LEGEND beweist UK, dass auch die Briten Gangster haben. Nach der Premiere endlich der Film – und die Erklärung wieso es endlich Zeit für einen Oscar für Tom Hardy wird.


Quelle Trailer: STUDIOCANAL Germany

Handlung:

LEGEND erzählt uns die Geschichte der beiden legendären Londoner Gangster-Zwillinge Ronald und Reggie Kray (Tom Hardy). In UK sind die Brüder Teil der Geschichte und ihre Story wird sogar in der Schule unterrichtet. Durch Gewalt und kriminelle Geschäfte, steigen sie von einfachen Clubbesitzern bald zu den gefürchtetsten Gangstern der Metropole auf. Doch obwohl die beiden Zwillinge sind, sind sie sich nicht immer einig. Während sich Reggie bald nur auf das Nachtclub-Geschäft konzentrieren will, um seiner Angebeteten Frances (Emily Browning) ein vergleichsweise normales Leben bieten zu können, sieht es in Ronalds Kopf weitaus verzwickter aus. Ron wurde als psychisch gestört diagnostiziert und die einzige Sprache, die er kennt, ist Gewalt. Auch seinen Bruder will er beibringen, was wirklich in der Unterwelt Londons zählt. Werden sich die Brüder auf dem Höhepunkt ihres Lebens selbst im Weg stehen?

Kritik:

LEGEND ist eine britische Produktion, ein britischer Gangster-Film, und das merkt man auch. Legen Hollywoods Streifen viel mehr Wert auf eine ordentliche Schießerei, sind die Briten nicht so höflich, wie sie erscheinen mögen und machen sich die Hände schmutzig. Hier wird geprügelt, zugestochen und mit einem Hammer um sich geschlagen. Obwohl viele kritisieren, dass Action und echte Gangster-Szenen fehlen, an einem mangelt es sicher nicht – Brutalität. Die Briten setzen wohl eher auf Qualität statt auf Quantität (auch wenn Qualität in Bezug auf Gewalt wohl ein kontrovers gewähltes Wort ist).

Eins ist klar, einen wirklich schnelllebigen Gangster-Film mit Fahrten in coolen Autos, Shootouts mit Maschinengewehren oder düsteren Drogengeschäften haben wir hier nicht – aber wir sind auch nicht in Hollywood. Wir sind in London und da spricht man nun mal eine andere Sprache (wortwörtlich), in der man sich selbst vor einer Erdbeere fürchten muss (ich hoffe die dt. Synchro bringt euch rüber, was damit gemeint ist). Trotz des generell eher gemächlicheren Tempos, das durch einen Überschuss an Drama erzeugt wird, muss man auf die üblichen Prügeleien nicht verzichten. Man muss sich jedoch ebenso auch klar sein – dieser Film wird aus der Perspektive von Frances erzählt – Reggies Ehefrau. Hier geht es also eher um die Entwicklung der Charaktere als um die Entwicklung des Gangster-Geschäfts an sich.

Was vielleicht ebenso ungewöhnlich für eine Gangster-Story ist, ist die ordentliche Portion Witz, die vorrangig durch Ronalds Awkwardness entsteht. Natürlich gibt es auch die klassischen Prügelszenen denen man durch einen kontrapunktierenden Einsatz von fröhlicher Musik einen humoristischen Touch verleihen will, doch ist dieses Mittel leider etwas zu plump gestaltet um wirklich zu zünden. Ronnie hingegen – he is hilarious. Seine Kommentare sind so wirr und unpassend, das man nur erheitert sein kann. Seine Kommentare haut er mit einer Trockenheit und einem ebenso trockenen Gesichtsausdruck raus – was kann man da anderes tun als lachen.

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Tom Hardy (Reggie & Ronny Kray) bei der Filmpremiere von Legend

Das ist auch nur ein Hinweis auf Hardys Leistung in diesem Film. Ok, ihr habt sicher schon gemerkt, ich bin ein riesiger Hardy-Fan und daher wohl leicht parteiisch, aber im Ernst – nach Rollen wie in Bronson, Warrior, Locke und eben den Kray Zwillingen, wäre eine kleine Anerkennung der Academy wirklich mal angebracht. Gerade Zwillinge zu spielen kann eine große Herausforderung darstellen – die Kunst ist den Zuschauer vergessen zu lassen, dass nur eine Person hinter beiden Rollen steckt – und das schafft Hardy hier. Er verleiht beiden Charakteren einen ganz eigenen Stil ohne die Unterschiede zu offensichtlich hervorzuheben. Es sind gerade die kleinen Details, die diese Performance so überzeugend macht. Viele schreien schon laut auf, dass seine Darstellung als Ronnie lediglich eine Kopie von Bane sei – aber wer genauer hinschaut, entdeckt, dass es so einfach nicht ist. Obwohl er Ronald auch vorrangig über seine Stimme und die Augen spielt – da sind Unterschiede in der Sprachmelodie und da passiert mimisch und gestisch noch mehr. Ich gebe euch den Tipp, achtet auf die Stirn von Ronnie und Reggie – nur eines dieser Details. Obwohl wir immer eine Person auf der Leinwand sehen – für uns sind es zwei unterschiedliche Brüder – mit verschiedener Stimmlage, Aussprache, Mimik und Auftreten. Gerade Reggie entwickelt sich gegen Ende zum eigentlich interessanteren Charakter, obwohl sein Bruder ja der verrückte Kopf ist. Ist Reggie noch zu Beginn ein cleverer, wenn auch leicht illegal-fungierender, Geschäftsmann mit einem großen, treuen Herz, so gewinnt immer mehr seine Liebe oder fast Sucht zum Gangster-Dasein die Oberhand und das gewalttägige Ungeheuer kommt zum Vorschein.

Doch genug der Lobeshymne auf Hardy. Generell kann man vom Cast überrascht sein – hier finden sich einige bekannte Gesichter. Emily Browning (Suckerpunch), Christopher Eccleston (Doctor Who), David Thwelis (Harry Potter), Paul Bettany (Avengers: Age of Ultron) oder Taron Egerton (Kingsman) sind nur einige der Namen. Diese Kombination verleiht dem Film den gewissen Touch einer glorreichen Zeit. Sicherlich hätte man manche Talente besser einsetzen können, als sie zu einfachen Handlangern oder hübschen Toy-Boys zu machen. Gerade von Emily Browning hätte ich durchaus etwas mehr nach außengekehrtes Leid erwartet.
Fazit:

LEGEND wird in UK gehypt und das zurecht. Der Film ist anders als erwartet und das auf die positive Weise. Drama, Action, Witz und interessante Charaktere. Dazu Hardy im Doppelpack – unbedingt anschauen (Tipp: gönnt euch OV, der Cockney-Slang macht es erst echt).

08 von 10 Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen, eine Comic-Kartoffel.
[atari]

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: LEGEND

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