Filmkritik: Child44 – Kind 44

Tatort Russland

Tom Hardy und Gary Oldman sind wieder vereint in einem russischen Krimi. Ob die Co-Produktion mit schwedischen Kriminalfilmen mithalten kann?


Quelle Trailer: Concorde Filmverleih

Handlung:

Leo Demidov gehört zu den führenden Militärpolizisten Russlands und überführt Vaterlandsverräter. Als er seine Frau denunzieren soll, wehrt er sich. Die beiden werden in eine Kleinstadt versetzt, in der Demidov einem Serienmord auf der Spur ist. Doch das Gesetz Stalins lautet: In Russland gibt es keinen Mord. Demidov muss sich bei seinen Ermittlungen gegen den Staat wehren.

Kritik:

Child44 basiert nicht nur auf einem Buch, sondern auf wahren Begebenheiten. Umso grausamer macht es die Story um Korruption und einen Serienmörder, der sich an unschuldigen Kindern vergreift. Die düstere Stimmung vermag der Film mit ebenso düsteren Settings einzufangen. Nur selten durchbricht ein Lichtstrahl die tristen Landschaften Russlands. Dunkle Wälder und schwerer Rauch aus zahlreichen Industriegebäuden machen die Stimmung perfekt.

Mit Tom Hardy, Gary Oldman und Noomi Rapace wartet der Film mit einer namhaften Besetzung auf. Da der Film in Russland spielt, lassen es sich die drei auch nicht nehmen, einen russischen Akzent an den Tag zu legen. Besonders Hardy zeigt sein Talent für die Adaption von Akzenten und Dialekten – immerhin mimt der Brite schon jahrelang Amerikaner in Hollywood-Produktionen. Ein Emotionsgeflecht aus Angst, Trauer, Selbstzweifel, Mut und Wut wird uns präsentiert, das tief unter die Haut geht. An der schauspielerischen Leistung kann man hier sicher nicht meckern.

Obwohl alle Voraussetzungen für einen spannenden und mitreißenden Krimi vorhanden sind, hat es Child44 nicht wirklich geschafft mich vom Hocker zu reißen. Sicher gab es die ein oder andere spannende Stelle, aber das Potential der Story hat der Film nicht ganz ausgenutzt. Vielleicht mag das daran gelegenen haben, dass die Verbindung zwischen Staatskorruption, Liebesdrama und Kriminalfall nicht ganz gelungen ist. So richtig haben die drei Handlungsstränge nicht ineinander gefunden. Gerade die Geschichte um den Serienmörder liefert so viel Potential, wurde jedoch stark vernachlässigt. Am Ende vermisst man eine richtige Aufklärung der Motivation des Mörders und der Showdown findet mit zwei anderen Protagonisten statt.

Dennoch ist eine gewisse Grundspannung vorhanden, eben nur auf einem eher geringen Niveau. Pluspunkte gibt es wiederum für das Ende, dass mithilfe von Licht und Setting eine neue Atmosphäre schafft und den Wandel Demidovs, seiner Ehe und ganz Russlands wiederspiegelt. Doch leider geht man mit dem Gefühl nach Hause, dass hier Potential einfach ungenutzt blieb und der Stoff bei den Schweden vielleicht in besseren Händen gewesen wäre.

Fazit:

Child 44 ist ein interessanter Krimi mit Top-Besetzung. Einige gute Ansätze sind zu finden, leider wurde hier nur der halbe Weg gegangen – schade.

06 von 10 Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen, eine Comic-Kartoffel.

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3 Gedanken zu “Filmkritik: Child44 – Kind 44

  1. Klingt genauso vielversprechend, wie ich es mir dachte. Werde mir den Film noch immer schenken. Die Buchreihe war fantastisch, die habe ich verschlungen und dass die Tom Hardy als Leo besetzt haben geht mir sowieso schon ziemlich gegen den Strich. Ich mag ihn einfach nicht. Ich habe vor allem die Befürchtung, dass das Liebesdrama sehr ausgearbeitet ist und warum das Ende nun verfälscht wurde, ist mir auch ein Rätsel.

    Gute Kritik, sie sagt mir, ich soll die Finger davon lassen 😀

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Kinostarts der Woche: Kind 44 und Spy – Susan Cooper undercover | Motion Picture Maniacs

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