Filmkritik: Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Im Sturzflug der falschen Erwartungen

Oft beschweren sich Filmkritiker, dass die heutigen Zuschauer sich im Vorfeld bereits bis in kleinste Detail über einen Film informieren und im Kinosaal nicht mehr überrascht sind. Doch verlässt man sich lediglich auf einen Filmtrailer, kann man leicht falschen Erwartungen unterliegen und so enttäuscht werden. Birdman führt mit seinem Trailer auf die falsche Fährte um den Vogel dann abstürzen zu lassen.

Quelle Trailer: FoxKino

Handlung:

Riggan Thomson ist ein gescheiteter Schauspieler, der vor Jahren als Superheld Birdman berühmt war. Seine Publicity verblasst und er wird nur noch auf den Vogelmann reduziert. Mit einem eigens produzierten Theaterstück will Riggan beweisen, dass er mehr ist, dass es sich lohnt ihn als ernsthaften Schauspieler wahrzunehmen. Zur Premiere wartet ein großer Showdown und am Ende lernt der Vogel fliegen.

Kritik:

Wie ihr oben bereits lesen konntet, habe ich mich bei diesem Film komplett von den Eindrücken aus dem Trailer leiten lassen. Diese Review ist somit subjektiv stark geprägt und fällt sicher deutlich schlechter aus, als auf so manch anderen Plattformen. Behaltet also im Hinterkopf, dass ich durch falsche Erwartungen enttäuscht wurde. Und eine Aufforderung an Hollywood – gebt euch Mühe mit euren Trailern.

Objektiv betrachtet ist Birdman sicher ein cleverer Film, der sich vom Einheitsbrei Hollywoods abzusetzen weiß und es nicht scheut eben genau dagegen zu schießen. Der Film besticht mit Drama und viel Ehrlichkeit – doch habe ich eben nicht so viel Drama erwartet.

Der Film dreht sich um die Inszenierung eines Theaterstücks und wirkt selbst wie ein Theaterstück. Gekonnt werden gestalterische Mittel aus der Theaterwelt eingesetzt. Musikalisch wird vor allem auf Theatermittel zurückgegriffen. Es kommen keine großen Scores zum Einsatz, sondern einfache Trommelrhythmen eines Schlagzeugs, das einen direkt in einen Theatersaal hineinversetzt. Dabei verdeutlicht das Tempo die Gemütslage von Riggan. Auch Monologe bleiben nicht aus. Indem sie durch Nahaufnahmen geprägt sind, entsteht der Eindruck als würde der Protagonist auf der Bühne im vollen Scheinwerferlicht stehen. Ebenso wird viel mit Kamerafahrten gearbeitet und auf harte Schnitte verzichtet, um den Eindruck zu erwecken, dass wir den Charakteren folgen.

Die Geschichte an sich präsentiert uns viele gescheiterte Persönlichkeiten, die mit ihrer puren Ehrlichkeit für viel Drama aber auch einigen skurrilen Witz sorgen. Doch gerade diese ernsthaften Dialoge und emotionalen Verwicklungen, waren mir zu viel. Objektiv betrachtet gehört ebendies in den Film. Doch wenn man allein vom Trailer ausgeht, erwartet man etwas weniger Real life. Mit der falschen Grundstimmung kann einen dieser Film mit Ehrlichkeit schnell überfordern. Hinzukommt, dass er auf ein schnelles Erzähltempo verzichtet und daher schnell als langatmig empfunden werden kann.

Fazit:

Birdman ist clever gemacht und wer auf etwas anderes Kino steht, das ehrliche, heruntergekommene Charaktere präsentiert, der wird sich unterhalten fühlen. Wer erwartet Birdman fliegen zu sehen, der wird von zu viel Drama überwältigt.

05 von Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen, eine Comic-Kartoffel.

[atari]

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

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