Filmkritik: Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Hommage an einen geheimen Helden

Eigentlich steh ich auf Storys über den Zweiten Weltkrieg mal so gar nicht. Doch Imitation Game liefert einen neuen Blickwinkel und Benedict Cumberbatchs Leistung wird in den höchsten Tönen gelobt. Da lohnt sich ein Blick.

Quelle Trailer: vipmagazin

Handlung:

Im Zweiten Weltkrieg benutzen die Deutschen eine besondere Codierungsmaschine um ihre Nachrichten zu verschlüsseln – Enigma. Der Enigma-Code wird jeden Tag um Mitternacht neu programmiert und gilt als unlösbar. Lediglich 18 Stunden bleiben den besten Leuten um die Nachrichten zu entziffern. Selbst das beste Team Großbritanniens scheint daran zu scheitern. Kann nur eine Maschine eine Maschine besiegen? Professor Alan Turing will das schaffen.

Kritik:

Imitation Game entführt uns nicht einfach nur in den Zweiten Weltkrieg. Wir werden nicht Zeuge von strategischen Kriegszügen oder Gräueltaten auf dem Schlachtfeld. Hier geht es einzig und allein um Alan Turing und wie er es schaffte, Enigma zu knacken. Wir haben hier eine Biografie vor uns, die uns im ersten Moment nicht so eindeutig als solche erscheint.

Alan Turing ist ein Sonderling, wie er im Buche steht. Er ist hoch intelligent, ein Einzelgänger, arrogant und sozial inkompetent. Da ist es nicht verwunderlich, dass er von seinen Mitmenschen drangsaliert wird und nur selten Zuneigung oder Liebe erfährt. Die Einsamkeit kompensiert er in seiner Arbeit. Doch Alan versteckt sich hinter seinem anti-sozialen Verhalten und ist ein Mensch, dem Zuneigung durchaus wichtig ist. Cumberbatch zeigt uns jede dieser Facetten eindrucksvoll: die Arroganz, die Intelligenz, die Sturheit und die Verletzlichkeit. Obwohl seine Leistung beeindruckend ist, ist die Rolle sicher keine große Herausforderung. In weiten Zügen ähnelt der Charakter doch Sherlock. Cumberbatch ist also sozusagen der Meister der Sonderlinge.

Die Handlung ist durch einige Zeitsprünge gekennzeichnet. Wir sehen den Anfang, das Ende und den Höhepunkt von Turings Leben. Wir starten mit Turing als Erzählerstimme, als er im Gefängnis ein Geständnis abgibt, das Geständnis über sein Leben. Dort enden wir dann auch. Die Zeitsprünge dienen generell als roter Faden und runden die Story ab.

Was diesen Film so besonders macht ist, dass er trotz des Themas Emotionen in den Vordergrund stellt. Es geht nicht nur darum einen Code zu knacken. Es geht um menschliches Miteinander. Komplizierte Gefühle kommen ins Spiel und lassen so einige Tränen aufsteigen. Doch gleichzeitig beschert uns Turings sonderbare Art auch einige Lacher. Da die Witze als Situationskomik entstehen, wirken sie hier auch keinesfalls fehl am Platz. Diese Momente machen den Film sogar noch menschlicher.

Besonders eindrucksvoll ist das Ende. Denn Turing ist regelrecht besessen von seiner Maschine Christopher. Rückblenden und das Ende machen deutlich wieso. Es steckt eine mehr als emotionale Geschichte dahinter. Die Art und Weise wie Turing am Ende seine Maschine anblickt, schafft eine Atmosphäre, die Christopher wirklich menschlich erscheinen lässt. Man bekommt das Gefühl, als würde wirklich der Geist oder die Seele eines echten Menschen darin stecken. Spätestens hier wird deutlich, in diesem Film geht es nicht darum einen Code zu knacken, es geht nicht um Enigma. Imitation Game präsentiert uns Alan Turings dramatische Geschichte. Es geht um seinen Leidensweg. Dabei wird ein Geheimnis offenbart, das eine Gräueltat der britischen Regierung ans Tageslicht kommen lässt. Am Ende steht nicht nur das Gefühl des Triumphes über Enigma, sondern eine moralische Mahnung, die Turing noch mehr zum Helden werden lässt.

Fazit:

Imitation Game ist ein Film über den Zweiten Weltkrieg, der es schafft Emotionen zu wecken ohne den Kriegsschauplatz zu benötigen. Die beeindruckende Leistung von Cumberbatch verdeutlicht, dass es hier um so viel mehr geht als einen Code. Lachen und Tränen sind garantiert.

06 von Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen, eine Comic-Kartoffel.

 

 

[atari]

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6 Gedanken zu “Filmkritik: Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

  1. Ich freu mich auch schon drauf den Film zu sehen. Hoffentlich läuft der in OmU in meinem Lieblingskino. Habt ihr die deutsche Sychro gesehen oder Original mit Untertitel? (Ich mag es nicht, dass Benedict in jedem zweiten Film eine andere Synchronstimme hat.)

    Gefällt 1 Person

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