Filmkritik: „Ich. darf. nicht. schlafen.“

Der Filmtitel als Memo an die Zuschauer…

Mit „Ich. Darf. Nicht, Schlafen.“ startet die zweite große Romanverfilmung über eine gestörte Ehe in den Kinos. Doch „Gone Girl“ eilt schnellen Schrittes voraus und lässt den Thriller mit Nicole Kidman und Colin Firth „wie ein altes Ehepaar“ aussehen. Schade, denn der Trailer sah mystisch und vielversprechend aus.

Quelle Trailer: SplendidFilm

Handlung:

Wenn Christine (Nicole Kidman) morgens aufwacht, ist ihr nichts vertraut. Nicht das Schlafzimmer, nicht der Mann in ihrem Bett, nicht einmal ihr eigenes Spiegelbild, das zu alt erscheint. Der Mann in ihrem Bett stellt sich als Ben (Colin Firth) vor. Sie sind verheiratet, unzählige Fotos in der Wohnung belegen das, doch Christine erinnert sich an nichts. Seit einem Autounfall vor zwanzig Jahren leidet sie an einer Amnesie, die über Nacht im Schlaf ihre Erinnerungen bis zum Zeitpunkt des Unfalls auslöscht. Eines Tages kommen Bruchstücke der Wahrheit ans Licht, die Christine wünschen lassen wird, sie hätte wirklich alles vergessen…

Kritik:

Die gute Nachricht vorweg: Nicole Kidman hat tatsächlich noch richtige Gesichtszüge und ist echter Mimik mächtig. Mit ihren eisblauen verletzlichen Augen und der blassen Haut passt sie schon rein optisch treffsicher in die Rolle des zart besaiteten Frauchens. Stellt man ihr den britischen leibhaftig gewordenen Dackelblick Colin Firth an die Seite, scheint das Bilderbuchehepaar perfekt. Aber wie so oft trügt der Schein. Soweit, so gut. Paart man die Grundbausteine mit der Amnesie-Krankheit und einem in der Dunkelheit der Erinnerung lauerndem Geheimnis, klingt alles zusammen nach einer guten Geschichte, aber so richtig haben die Filmemacher hier die Kurve leider nicht gekriegt.

Der Thriller baut auf dem angenehmen Wechselspiel zwischen vermuteter Vorhersehbarkeit und (leider nur sehr kleinen) überraschenden Wendungen auf. Leider überwiegt erstere und was als Psychotripp beginnt, driftet immer mehr in übertriebene Dramatik ab. Das Verwirrspiel mit der Menschenkenntnis und den Instinkten der Zuschauer mach Spaß, blitzt aber nur zu Anfang und zu kurz auf. Besonders störend: Kidmans immer verheult klingende Synchronstimme schadet regelrecht dem Filmerleben, da sie zu quengelig rüber kommt.

Eine gute musikalische Untermalung an den richtigen Szenen hätte die Spannung heben können. Stattdessen setzte man anscheinend auf die Kraft der Anspannung durch Stille – was jedoch in diesem Film nicht funktioniert hat. Alles in allem ist das Gesamtkonzept zu ruhig – geradezu beruhigend – um die Nerven wirklich zu reizen. Noch dazu ist der deutsche Filmtitel unglücklich gewählt. Er führt in die Irre was die Story angeht, da man bezüglich der Handlung andere Vorstellungen entwickelt. Und die Punkte im Titel sind zwar „mal was anderes“, aber deshalb nicht automatisch gut. Vielleicht hätte man den englischen Titel „Before I go to sleep“ stehen lassen sollen.

Und was am schlimmsten ist: Auf einmal ist der Film zu Ende mit einem richtigen Abschluss aber lässt einen trotzdem unbefriedigt zurück.

Fazit:

Trailer top, Film leider ein bisschen Flop. Tolle Darsteller, tolle Grundidee und Kidman und Firth spielen auch wirklich überzeugend, aber das alles hilft nicht, wenn statt des versprochenen Psychthrillers bloß Szenen einer Ehe gezeigt werden. Da hilft es auch nicht, aus Sympathiebekundungen für die Darsteller ein Auge zuzudrücken. Eher gleich zwei. Augen zu und durch.

05-couchpotatos-neu

 

 

[reibeisen]

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