Filmkritik: Interstellar

2014: Odyssee im Weltraum

Es gab in den letzten Jahren keinen Film, bei dem unsere Vorfreude und Erwartungen so enorm waren, wie bei Christopher Nolans neuem Geniestreich. Aufgeregt und zugleich ängstlich, dass die Hoffnungen enttäuscht werden, saßen wir dann pünktlich zum Kinostart im Sessel und müssen schon mal vorwegnehmen: Interstellar ist ein absoluter Must-See-Movie!



Quelle Trailer: Warner Bros. DE

Handlung

In naher Zukunft ist die Erde ihrem Untergang geweiht. Der Klimawandel bringt Sandstürme mit sich, die nicht nur gesundheitsschädigend sind, sondern auch den Nahrungsanbau erschweren. Der Bedarf an Ingenieuren und Wissenschaftlern ist mager, stattdessen werden die Menschen zu Farmern ausgebildet. Cooper (Matthew McConaughey), ehemaliger Astronaut und nun Farmer, wird von Professor Brand (Michael Caine), dem Leiter der NASA, überredet, an einer gewagten Mission im All teilzunehmen. Gemeinsam mit seinem Team soll er durch ein Wurmloch fliegen um in einer anderen Galaxie einen neuen Heimatplaneten für die Menschheit zu finden…

Kritik

Nolan spricht sich gegen 3D aus und ein Großteil der Filmfans rund um den Globus atmet erleichtert auf. Interstellar hat das gar nicht nötig! Auch ohne 3D-Effekte sind die Weltraumbilder fantastisch und wunderschön. In irdischen Szenen geben kontrastarme, sandige Farben die gedrückte Stimmung perfekt wieder. Man kommt nicht umhin bei einigen Landschaftsbildern heftig zu staunen: gigantische Maisfelder, eingekesselt von Sand; eisige schwarze Gebirgsschluchten; die wohl größte und angsteinflößendste Welle der Filmgeschichte und nicht zuletzt atemberaubende Blicke auf Sterne und Planeten, bei denen einem mulmig werden kann. Viele Szenen erinnern an Kubricks „2001: Odysee im Weltraum“ und machen Lust auf diesen Klassiker.

Der Cast ist einwandfrei, sogar herausragend. Neben Filmurgestein Michael Caine wurde ebenso erneut Anne Hathaway verpflichtet (beide auch in „The Dark Knight Rises“). Besonders hervorzuheben ist aber Matthew McConaughey, der nach einer Reihe lahmer RomComs (z. B. „Wedding Planner“, „Zum Ausziehen verführt“, „Der Womanizer“) im Sumpf der aalglatten Langweiler zu stecken schien und sich zur Überraschung aller innerhalb von eineinhalb Jahren an die Spitze der Darstellerriege spielte. Nach „Dallas Buyers Club“ und allerspätestens nach der Crime Drama Serie „True Detective“ gehört er in die Liste der Schauspieler, deren Filmographie von nun an auf die Watchlist gehört. Ebenso begeistert die schöne Jessica Chastain als Coopers Tochter Murph, weil sie stark, ehrgeizig und intelligent ist, und damit eine Rolle spielt, in die man zu gerne schlüpfen möchte. Absoluten Lieblingscharakterfaktor haben übrigens die NASA-Roboter, die einen gleichzeitig erstaunen und immer wieder zum Lachen bringen. Auch die deutsche Synchronarbeit im gesamten Film muss an dieser Stelle gelobt werden! Im O-Ton ist der Farmer-Slang etwas schwieriger zu genießen.

Hans Zimmers Soundtrack ist wie zu erwarten eingängig und emotional. Das wiederkehrende Thema spannt die Nerven an und vermittelt zielsicher: Hier geht es um etwas, die Erde und zahlreiche Familien stehen auf dem Spiel bei dieser Weltraummission. In den Momenten, die direkt im All spielen, setzt dann die totale Stille ein und legt sich schwer und erdrückend auf die Brust.

Die Story ist mitreißend und vor allem hochinteressant. Die vielen Dialoge im Film sind nötig und helfen bei dem Grundverständnis für Raum-Zeit-Theorien, was Bilder allein wohl nicht geschafft hätten. Der Weltraum ist ohnehin spannend und erweckt Ehrfurcht, aber die Story hebt das Interesse noch weiter, beantwortet Fragen und stellt gleichzeitig neue – etwas, das nicht viele Filme schaffen. Einzig der etwas zähe Einstieg und die stark stereotypischen Familienbande zu Beginn des Films, mildern die Begeisterung ein klein wenig.

Besonders emotional wird die Story, wenn es um die Macht von Beziehungen und Liebe geht und hier werden Zitate geliefert, die Dumbledore nicht besser hätte formulieren können. Einige Zuschauer fanden diesen Aspekt fehl am Platz, aber im Film geht es nun mal nicht nur um Abenteuer im All, sondern auch um Familien, Liebe und alles was man dafür auf sich nimmt.

Zugegeben, wir sind dem Hype erlegen und feiern Christopher Nolan als den aktuell zu Recht bedeutendsten Filmemacher für Blockbuster. Die Gründe dafür werden wir Motion Picture Maniacs in naher Zukunft – Achtung, Zeit ist relativ 😉 – in einem „In the Spotlight“-Special nahelegen.

Fazit

Interstellar ist großartig, ein Film, der gleichzeitig Science-Fiction-Epos und aufwühlendes Drama ist! Fantastische Bilder, ein brillanter Cast, die faszinierende Story und der eingängige Soundtrack vereinen sich zu dem Film des Jahres 2014. Die Produktion schafft es, innerhalb von 169 Minuten alle Emotionen auszureizen, man lacht, ist gerührt, bekommt Beklemmungen und ist erleichtert – genau so wünschen wir uns das perfekte Kinoerlebnis! Abtauchen und genießen!

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[reibeisen]

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4 Gedanken zu “Filmkritik: Interstellar

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  4. Danke für diese Rezension, ich fand den Film ebenfalls klasse, allerdings fand ich den ersten Teil, bei dem es um die Familie ging doch irgendwie hastig erzählt, hattest Du denselben Eindruck?

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