Filmkritik: Nightcrawler

Bad news are good news

Alle, die bei diesem Filmtitel auf einen neuen X-Men Origins gehofft haben, müssen nun leider enttäuscht werden. Dieser Nightcrawler ist kein blauer Mutant, der sich teleportieren kann. Dennoch könnt ihr eine Art dunkles Geschöpf erleben, das es vermag sich wenn nötig anzuschleichen und immer als Erster vor Ort zu sein. Doch lest selbst, worauf ihr euch mit diesem Film einlasst.

Quelle Trailer: KinoCheck

Handlung:
Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) ist arbeitlos aber motiviert und erfinderisch. Um an Geld zu kommen schreckt er auch vor Diebstählen nicht zurück. Eines Nachts wird er Zeuge eines Autounfalls und beobachtet, wie TV-Journalisten das ganze Szenario filmen. Das bringt ihn auf eine Geschäftsidee. Kurzerhand sucht Lou sich einen ebenso verzweifelten Partner und gründet eine kleine Firma, die sich darauf spezialisiert, Videomaterial von Unfällen oder Tatorten zu beschaffen. Dabei gerät Lous Leidenschaft für seine Arbeit immer mehr außer Kontrolle.

Kritik:
Puh, diesen Film musste ich erst einmal verdauen. Meine ersten Reaktionen waren: Was ein kranker Scheiß! – Das war mal was ganz Anderes! – Was soll ich davon halten?

Ganz im Ernst, vor dieser Rezension habe ich mich etwas gefürchtet, denn ich wusste nicht so ganz was ich mit diesem Film anfangen soll, wie meine Meinung eigentlich ist. Ich bin selbst jetzt noch zu verblüfft um meine Gedanken richtig zu ordnen. Teilweise ist eine solche Reaktion sicher gut zu bewerten, denn heute schaffen es Filme nur noch selten uns zu überraschen. Doch andererseits ist es auch nicht immer positiv, wenn man etwas anderes sieht als man erwartet. Also will ich mal versuchen einen roten Faden in meine Gedanken zu bringen.

Machen wir es doch wie bei Bewertungen in der Schule und fangen mit dem Positiven an. Einer der ganz großen Pluspunkte dieses Films ist es, dass er sich eben vom Einheitsbrei Hollywoods abzusetzen vermag. Das Thema ist kritisch, voyeuristisch und somit weit über eine moralische Grauzone hinaus. Doch gleichzeitig ist der Grundpfeiler der Geschichte direkt aus dem Alltag gegriffen. Wie unglaublich weit Lous Leidenschaft, Verbissenheit und Motivation geht, ist einfach krank. Dieser Typ ist mindestens genauso anders wie der Film selbst. Im einen Moment lässt er eine Motivationsrede wie aus dem Wirtschafts-Bilderbuch ab und im anderen ist er so skrupellos, dass man fast an eine gespaltene Persönlichkeit denkt. Bei so viel Misanthropie kann man selten über seine Kommentare schmunzeln, sondern meist nur den Kopf schütteln.

Wirken konnte diese Figur jedoch nur durch Jake Gyllenhaal. Was er hier geleistet hat, ist einfach oberste Schauspielkunst. Dabei lasse ich das typische Abnehmen für den Film ganz außen vor – auch wenn die weit hervortretenden Augen sicher den Gesamteindruck verstärken. Gyllenhaal hat es hier vermocht auf die kleinen Dinge zu achten. Winzige Gesten – Augenbewegungen, die Bewegung eines Fingers oder das leichte Neigen des Kopfes – machen diese Performance aus. So schafft es Gyllenhaal vollends in seiner Figur aufzugehen und durch sie Atmosphäre zu transportieren. Dieser Sprung des Verhaltens und von Lous Gedanken sowie Emotionen (falls er denn welche hat) gelingt perfekt. Das subtile Wachstum seines Selbstvertrauens harmoniert gekonnt mit der Verrücktheit und steigenden Skrupellosigkeit dieser Figur. Ausdruck, Haltung und Sprache – alles ist einfach aufeinander abgestimmt.

Gefallen hat mir auch der Einsatz von Musik, welcher doch eher gering ausfiel. Viele Szenen wurden überdurchschnittlich lang allein von Dialog getragen. Wurde Musik einmal eingesetzt, dann meist um einen Kontrapunkt zu diesen leisen Szenen zu bieten. Ruhige Schnitte von ungewöhnlichen (fast sinnfreien) Settings gepaart mit Dialogen stehen im Kontrast zu wilden Autojagden mit dröhnenden Beats. Obwohl die Art gewisses Footage-Material der Settings und Lokalitäten einzubinden durchaus etwas Neues war, beginnt hier auch gleichzeitig die Kritik. Meist konnte man sich nur darüber wundern. Ein wirklicher Zusammenhang zur folgenden Szene bestand nicht und die filmische Intention war hier zu offensichtlich – den Zuschauer verwundern und sich vom typischen Hollywood abheben. Es war zu eindeutig, dass man hier künstlerisches Können beweisen wollte, ohne dies jedoch logisch begründen zu können.

Eine Art kleine Lovestory darf ja in keinem Film wirklich fehlen – auch wenn man sich abheben will. Um einen Stern in der Kategorie „Liebe“ zu ergattern, musste sich Dan Gilroy etwas einfallen lassen. So bescherte er uns die wahrscheinlich skurrilste und unangenehmste Dating-Situation in der Filmgeschichte. Auch wenn die Szene wirklich amüsant anzusehen ist, fügt sich Lous Gefallen an Produzentin Nina nicht so wirklich in den Film ein. Zwar wird uns hierdurch ein interessanter Wechsel von Abhängigkeiten präsentiert, aber bringt es mich wieder zum gleichen Gedanken, der mich den gesamten Film über begleitet hat – Was soll ich davon halten?

Genau das ist auch der größte Kritikpunkt, am Ende weiß ich eben nicht, was ich von dem Film halten soll. Er ist absolut kein Reinfall, sicher nicht. Aber er ist auch nicht ganz, was ich erwartet habe. So hab ich mich vom Trailer wohl auch etwas in die Irre führen lassen und hatte eine etwas ironischere und zynischere Darstellung der Geschichte erwartet. Dass es am Ende so gar nichts zum Lachen gab, hat mich natürlich noch mehr geschockt und mich eben mit diesen gemischten Gefühlen zurückgelassen. Eine wirkliche Lösung oder ein endgültiges Fazit habe ich wohl auch jetzt nicht gefunden, aber wenigstens konnte ich euch eine kleine Liste meiner Gedanken zu diesem Film präsentieren.

Fazit:
Okay, wie gesagt, ein Fazit gibt es nicht wirklich. Kurzum – Nightcrawler ist anders. Jake Gyllenhaal war grandios und die Story schockierend. Dennoch ist der Film auf jeden Fall Geschmackssache – für die Einen ein Meisterwerk für die anderen Müll, mit dem man nichts anfangen kann. Also seht es euch selbst an.

7 von 10 Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen der Motion Picture Maniacs, eine Comic-Kartoffel.

[atari]

Advertisements

4 Gedanken zu “Filmkritik: Nightcrawler

  1. Pingback: Kinostarts der Woche: Nightcrawler und Ich.Darf.Nicht.Schlafen | Motion Picture Maniacs

  2. Pingback: Die besten Filme 2014 | Motion Picture Maniacs

  3. Pingback: Die besten Schauspieler 2014 | Motion Picture Maniacs

  4. Pingback: Kinostarts der Woche: Southpaw und Vacation | Motion Picture Maniacs

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s