Filmkritik: Gone Girl

Tatort Missouri

 

Ganz ehrlich, eigentlich bin ich kein großer Fan von Ben Affleck. Daher hat mich das Filmplakat von Gone Girl erst mal nicht angeregt. Doch als dann plötzlich der Trailer im Kino lief, musste ich Affleck und dem Film eine Chance geben. Manchmal lohnen sich zweite Chanchen…

Quelle Trailer: FoxKino

Handlung:
Nick und Amy Dunne führen eine wundervolle Ehe in einer Kleinstadt von Missouri. Doch zum 5. Hochzeitstag ist Amy plötzlich verschwunden. Alles was Nick zu Hause vorfindet, ist ein umgestürzter Couchtisch. Die Polizei ist schnell verständigt. Doch wo ist Amy? Was ist mit ihr passiert? Immer mehr verdichtet sich der Verdacht, dass Nick selbst seine Frau ermordet hat. Ist er schuldig?

Kritik:
Bereits der Trailer hat die zentrale Frage des Films aufgeworfen: Hat Nick seine Frau ermordet? Und diese Frage hängt die ganze Zeit in der Luft. Für geübte Krimifans kommen natürlich nur zwei Varianten in Frage: Nick hat es getan oder seine Frau will ihm den Mord anhängen. Doch wer jetzt denkt, mit diesem Wissen wird der Film schnell langweilig, der hat sich geirrt. Es ist eben nicht wie bei Tatort und Co., dass man bereits nach 10 Minuten weiß, wer der Mörder ist bzw. was passierte. Gone Girl schafft es durch eine für einen Krimi bzw. Thriller eher ruhige Erzählweise eine gespannte Athmosphäre zu schaffen, in der man zwischen seinen Theorien ständig wechselt. Denkt man gerade noch „Ok, Nick war es, ganz klar.“, zweifelt man in der nächsten Szene schon wieder an seiner Schuld.

Wie wir es von David Fincher gewohnt sind, spinnt er ein gekonntes Netz aus Perspektivwechseln und Rückblenden. Jeder Wechsel bringt genau so viel neue Informationen zu Tage, dass der Zuschauer seine Meinung widerruft ohne sich völlig sicher zu sein. So schafft es Fincher, trotz einer Länge von immerhin über 2 Stunden den Spannungspegel konstant zu halten. Lediglich in der zweiten Hälfte des Films, gibt es etwa 20 Minuten, in der dieses Konzept nicht aufgeht. Die ruhige Erzählweise führt hier eher zu einem Dahinplätschern der Story und sorgt für eine gewisse Langatmigkeit.

Das Ende weiß dann aber wieder doch zu überraschen bzw. auch teilweise etwas zu verwirren. Daher kann man über gewisse Schwächen auch ein klein wenig hinwegsehen.

Auch mit Ben Affleck konnte ich mich wieder versöhnen. Sicher gehört er noch nicht zu meinen Lieblingen, doch liefert er in Gone Girl eine durchaus respektable Leistung. Er zeigt einen gelungenen Wechsel zwischen Nice Guy, verzweifelter Eheman und genervter Ehemann. Aber auch Rosamund Pike muss sich nicht verstecken. Sie überrascht mit einer gekonnten Charakterentwicklung und ihre Figur ist komplexer als man denkt.

Und zuletzt sei noch eine Sache erwähnt, die ich in diesem Film so gar nicht erwartet hätte: Humor. Ja tatsächlich, bei Gone Girl gibt es auch etwas zu lachen. Gewisse ironisch-zynische Kommentare lockern die Story auf. Ich erlebte dadurch eines zum aller ersten Mal: kopfschüttelndes Lachen. Ja ihr lest richtig, denn die Kommentare waren witzig und haben sich durchaus in die jeweiligen Szenen eingefügt, doch erwartet man sie bei diesem Thema einfach nicht. Das soll aber keinesfalls bedeuten, dass der Witz hier nach hinten losgegangen ist.

Fazit:
Gone Girl ist ein spannender Thriller, der endlich mal nicht sofort alles über die Tat ausplaudert. Kopfschütteln, mittlere WTF-Momente und Schmunzeln sind inklusive. Eine gewisse Langatmigkeit in der Mitte trübt allerdings den Gesamteindruck.

7 von 10 Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen der Motion Picture Maniacs, eine Comic-Kartoffel.

[atari]

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3 Gedanken zu “Filmkritik: Gone Girl

  1. Pingback: Die besten Filme 2014 | Motion Picture Maniacs

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