Filmkritik: „Ganz weit hinten“

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Sommer, Sonne, Strand und … Stress

 

Egal ob es draußen gerade düster und trüb aussieht oder ob die Sonne gnadenlos auf den Scheitel scheint: Sommerzeit ist Sommerfilm-Zeit! Und originelle Coming-of-Age-Filme sind generell immer einen Blick  wert. „Ganz weit hinten“ haben wir euch im Dezember als Kinostart der Woche präsentiert und nun folgt endlich eine Einschätzung des Comedy-Drama-Mixes!

Handlung:

Endlich Sommerferien! Doch der 14-jährige Duncan (Liam James) scheint nicht besonders glücklich. Er muss den Urlaub gemeinsam mit Mutter Pam (Toni Collette), ihrem neuen Freund Trent (Steve Carell) und dessen Tochter Steph (Zoe Levin) in einem Ferienhaus am Meer verbringen. Klingt eigentlich gar nicht so übel, doch der strenge und dominante Ziehvater Trent lässt keine Situation aus, an Duncan zu nörgeln und ihn zu degradieren. Hinzu kommt, dass der schüchterne Junge schlecht Kontakte knüpfen kann und sich im Urlaubsparadies unwohl fühlt. Zumindest bis er im örtlichen Wasserpark anheuert und sich mit dem Angestellten Owen (Sam Rockwell) und dem Rest des chaotisch liebenswerten Personals anfreundet …

Kritik:

Duncan ist gefangen im fiesen, einsamen und merkwürdigen Gefängnis namens Pubertät. Seine unfreiwillige Uncoolness erschwert ihm das Leben so sehr, dass er nicht nur Probleme hat, bei den angesagten Kids Anschluss zu finden, sondern sogar für die Erwachsenen in seiner Umgebung langweilig zu sein scheint. Doch eins muss man ihm lassen: wenn er sich nicht gerade in die tröstende Welt der Indie-Musik flüchtet, strengt er sich an sich zu integrieren. Wenn er aufgefordert wird zu tanzen, dann tanzt er verdammt nochmal auch! Jungdarsteller Liam James verkörpert ideal den Schlaffi mit hängenden Schultern und im nächsten Moment den selbstbewussten Teenager.

Das erste Drittel des Films zieht sich zugegebenermaßen etwas hin. Trotz der ansprechenden Darstellung von Sonne, Farben, Musik und Urlaubern, die ein Sommerfeeling vermitteln wollen, wird erst mal wenig Interesse geweckt. Es bleibt sehr ruhig und gemütlich, doch kurz bevor es langweilig wird, tauchen endlich die Stimmungsmacher aus dem örtlichen Wasserpark auf und sorgen für überraschenden Witz. Allen voran sei Owen genannt, der nicht nur der coole und lockere Typ ist, der Duncan gerne selbst wäre, sondern gleichzeitig eine witzige und aufbauende Vaterfigur darstellt und den Teeanger so mag, wie er ist.

Nebenbei scheint dies einer der wenigen Filme zu sein, in dem Steve Carell nicht seine Paraderolle als der nerdige, sympathisch-tollpatschige Loser spielt, sondern den fiesen machohaften Stiefdad aus der Hölle verkörpert – ungewohnt, aber verdammt glaubhaft! Toni Collette spielt gekonnt die kaputte Mutterrolle – ein Charakter, in dem sie schon oft brilliert hat, wie zum Beispiel in „The Sixth Sense“ und in der Drama Comedy Serie „United States of Tara“.

Was wäre ein Teenager-Sommer ohne Liebe? Duncan verguckt sich zaghaft in eine Urlauberin aus der Nachbarschaft. Susanna (AnnaSophia Robb) ist das hübsche, beliebte Mädchen, aber keine Tussi. Sie ist belesen, meidet die gleichaltrigen Sonnenanbeterinnen größtenteils und sucht – zum Überraschen Duncans und wahrscheinlich auch der Zuschauer – immer wieder Kontakt zu dem schlaksigen Außenseiter. Eine klassische Romanze darf hier trotzdem nicht erwartet werden! Die im Trailer angepriesene Hauptstory rückt zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen übernehmen viele Nebenhandlungen das Steuer. Teilweise wird Interesse an einer Story erweckt, die dann nur angedeutet wird und wieder in den Hintergrund gerät. „Ganz weit hinten“ ist keine Lovestory, sondern eine Story über kaputte Familien, kaputte Beziehungen, Dinge die Erwachsene nicht verstehen und Dinge die Kinder nicht verstehen. Das Ganze im Einklang mit Sonne und Freibadfeeling sollte jeglicher Depri-Stimmung den Teppich wegziehen, sodass ein witziges, ruhiges und vorzeigbares Sommerdrama übrig bleibt.

Fazit:

Das Studio von „Little Miss Sunshine“ und „Juno“ bringt mit diesem gewitzten und charmanten Coming-of-Age-Movie eine Sommerbrise ins Kino, in die man sich zu gern hinein flüchten will. Entstanden ist ein lustiger wie anrührender Coming-Of-Age Film, der jedoch in Sachen Originalität und emotionaler Ansprache nicht an Steilvorlagen des Genres wie „Little Manhattan“ oder „Moonrise Kingdom“ herankommt.

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[reibeisen]

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Ganz weit hinten“

  1. Pingback: Filmkritik: Kings of Summer | Motion Picture Maniacs

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