Filmkritik: Midnight in Paris

Und täglich grüßt das Mitternachtstaxi

Nach meinem ersten Woody Allen-Erlebnis mit „To Rome with Love“ (2012), erwartete ich mit „Midnight in Paris“ (2012) einen neurotischen Film mit einer guten Portion Verrücktheit und dem Gefühl am Ende nicht zu wissen, was nun eigentlich die Moral dieser Geschicht war. Woody Allens eigener filmischer Charme gepaart mit Klassenclown Owen Wilson, da ist die Skepsis zunächst groß. Doch lasst euch gesagt sein, um Mitternacht erwartet euch in Paris ein wahrer Zauber.

Quelle Trailer: Concorde Filmverleih

Handlung:

Wir treffen auf Schriftsteller Gil, einen Amerikaner in Paris. Eine Story, die wir oft genug gesehen haben. Doch Gils Ausflug in die Stadt der Liebe ist kein gewöhnlicher. Mit seiner Verlobten Inez begleitet Gil deren Eltern auf eine Geschäftsreise. Von der französischen Hauptstadt begeistert, will er am liebsten dort bleiben, was bei Inez auf völliges Unverständnis trifft. Angeheizt wird die angespannte Stimmung durch das befreundete Pärchen Paul und Carol. Als Gil genug von den von Paul dominierten Touriausflügen hat – dieser ist zufällig Experte für einfach alles – begibt er sich eines Abends in eine ruhige Seitenstraße. Punkt Mitternacht erscheint ein Oldtimer aus den 1920er Jahren und entführt den missverstandenen Amerikaner in eine andere Zeit. Fortan begibt sich Gil jede Nacht auf sein eigenes kleines Abenteuer, begleitet von den bekanntesten Schriftstellern und Künstlern des Paris 1920.

Kritik:

Midnight in Paris zeigt uns Eskapismus nach Art von Woody Allen. Ein naiver, träumerischer Schriftsteller will seinem öden Alltag entfliehen. Bei einer Verlobten, die ihn nie versteht, ständig meckert und ihm nichts zutraut, absolut kein Wunder. Selten haben wir Rachel McAdams in einer so unsympathischen Rolle erlebt. Hingegen scheint Owen Wilson regelrecht aufzublühen. Bekannt ist er uns aus zahlreichen klischeebehafteten Hollywood-Komödien, in denen er mit schauspielerischem Talent nicht gerade glänzen kann. Woody Allen gibt ihm nun die Chance zumindest ein bisschen Können zu zeigen. Sicher keine schauspielerische Meisterleistung, aber die ständig vor Überwältigung großen Augen und der offene Mund, sowie seine Abenteuerlust, machen ihn in diesem Film zum Publikumsliebling. Er schafft es immerhin neben den zahlreichen Größen Hollywoods, wie Adrien Brody, Kathy Bates, Tom Hiddleston und Marion Cotillard, nicht unterzugehen, obwohl er eigentlich nur ein kleines Kind im Süßwarenladen mimt.

Gerade die Gastauftritte der namhaften Schauspieler als ebenso namhafte Schriftsteller oder Künstler sind unglaublich erfrischend. Die Charaktere strotzen nur so vor Ironie. Jede Rolle ist übertrieben dargestellt und bringt nicht nur eigenen Charme sondern auch eine gute Portion Witz mit. Tom Hiddleston als F. Scott Fitzgerald (The Great Gatsby) ist auch mit Wasserwelle noch wunderbar charmant. Fitzgeralds Frau glänzt mit ihrem Alkoholproblem und Hemingway sorgt als Overly Manly Man für viele Lacher. Und wer sich gefragt hat, woran Dalí eigentlich den ganzen Tag denkt – an Rhinozerosse. Bei all den verrückten Charakteren, ist es nicht verwunderlich, dass sich Gil immer mehr von seiner Realität abwendet und im Abenteuer der 1920er Jahre lebt. Doch leider geraten dabei die Geschehnisse in der Gegenwart auch für den Zuschauer in den Hintergrund. Bald ist vergessen, dass er überhaupt noch eine Verlobte hatte. Auch Gil vergisst diese sehr schnell und verliebt sich Hals über Kopf in Adriana (Marion Cotillard). Doch zwei Menschen mit einem Hang zum Eskapismus, das kann nicht gut gehen. Also erleben wir mit Marion Cotillard mal wieder eine Inception – eine Zeitreise in einer Zeitreise. Zu schnell kommt ihm auf dieser doppelten Zeitreise die Erkenntnis seiner Alltagsflucht. Zu schnell wendet er sich von Adriana und seinem Abenteuer ab. Zu schnell ändert er sein Leben – er verlässt die Vergangenheit, verlässt seine Frau und verlässt Amerika. Und dann zeigt Paris, wieso es die Stadt der Liebe ist. Als Neu-Pariser gerade zwei Lieben verloren, turtelt Gil schon wieder mit einer Marktstand-Verkäuferin. Nachdem er zuerst ständig in der Vergangenheit lebte, geht er seine Zukunft etwas fix an.

Doch trotz dieser kleinen Fehler macht der Film einfach Spaß. Midnight in Paris versprüht französischen Charme, Verrücktheit und Witz. Gerade der gekonnte Einsatz französischer Chansons schafft nicht nur Atmosphäre, sondern unterstützt auch die Ironie des Films. Woody Allen weiß einmal mehr zu unterhalten und liefert ganz spezielle Charaktere, die genügend Futter zum Lieben und Hassen liefern. Zum Schluss bleibt der Zuschauer nur mit einer Frage zurück – Wann hat Gil bei all den nächtlichen Ausflügen eigentlich geschlafen?

Fazit:

Midnight in Paris ist charmant und unterhaltsam. Dieser Film ist nicht nur eine Reise nach Paris, sondern auch eine Reise in eine zauberhafte Vergangenheit. Kein Wunder, dass es für diese Story einen Oscar für das beste Drehbuch gab.

7 von 10 Couchpotatoes. Die Couchpotato ist das Maskottchen, eine Comic-Kartoffel.

 

 

 

[atari] 

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: Midnight in Paris

  1. Pingback: In the Spotlight: Tom Hiddleston | Motion Picture Maniacs

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