Filmkritik: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Manche Unendlichkeiten sind größer als andere Unendlichkeiten

„Zu diesem Film sollte man ungeschminkt ins Kino kommen“, „Ich habe extra nochmal Taschentücher gekauft“ oder „Dieser Film ist völlig anders als man erwartet“ – diese Ratschläge wurden mir vor dem letzten Kinobesuch nahe gelegt. Da ich die Buchvorlage des grandiosen John Green gelesen hatte, war ich mental gut vorbereitet und konnte dem Teenager-Liebesdrama mit offenen Augen und offenem Herzen begegnen und mich auf eine Geschichte einlassen, die schon tausend Mal verfilmt worden zu sein scheint, aber dennoch hervor sticht und richtig weh tun kann.

Quelle Trailer: FoxKino

Handlung:

Die 17-jährige Hazel (Shailene Woodley) lernt in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Teenager den gutaussehenden und charmanten Augustus (Ansel Elgort) kennen. Die beiden verlieben sich und erschaffen eine zauberhafte und einzigartige Beziehung, die ihnen die Furcht ihres krankheitsbestimmten Daseins nimmt. Augustus erfüllt Hazels großen Traum. Gemeinsam mit Hazels Mutter (Laura Dern) reisen sie nach Amsterdam um Autor Peter Van Houten (Willem Dafoe) über Hazels Lieblingsbuch zu befragen. Diese Reise verändert das Leben der beiden entscheidend…

Kritik:

Krebskrankes Mädchen, verzweifelte, aufopferungsvolle Eltern, verlorene Jugend und nichtvorhandende Zukunft – das sind die Kernelemente der Standardgeschichte über krebskranke Kinder. Man weiß worauf man sich als Zuschauer einlässt: auf Schmerz, auf ein Gefühl der Ungerechtigkeit und schlimmstenfalls auf Tränen. Genau dies trifft auch auf diesen Film zu, aber er hinterlässt einen anderen Nachgeschmack: einen süßen und trotz aller Krankheit lebensbejahenden.

Hazel hat im Grunde nichts zu lachen und steht als unheilbar Kranke ihrem unvermeidbaren Schicksal entgegen. Doch mit der Liebe zu Augustus tritt auch die Freude wieder in ihr Leben. Freunde erleiden Krankheitsrückschläge? Das Atmen fällt schwer? Träume platzen? Mieses Wetter auf der Traumreise? Scheißegal! Der Film zeigt das positive in allen Lebenslagen und pusht, statt runterzuziehen. Die Hauptdarsteller, beide erst kurz im Showgeschäft, überzeugen mit einer authentischen und unleugbaren Chemie, die bezaubernd ist und einen unweigerlich zum Grinsen bringt. Die Krankheit und sogar Hazels immer präsentes Beatmungsgerät geraten dadurch schlicht in Vergessenheit.

Der Film ist witzig und traurig zugleich, zeigt ungeschönt Leid, Krankheit und Tod, doch auch gleichzeitig genauso schonungslos bedingungslose Liebe, Aufopferung und Lebensfreude. Sarkastische und witzige Dialoge runden die Story ab und verwaschen es nicht zu einem traurigen Heuldrama, sondern machen daraus eine süße Geschichte, die Altersgenossen genauso begeistern wird wie älteres Publikum. Dennoch wird  das emotionale Thema eindeutig mit weiblichen Augen gezeigt und dadurch die meisten männlichen Zuschauer wahrscheinlich weniger begeistern.

Hervorstechend sind, neben der überzeugenden Schauspielleistung, vor allem die Bildgestaltung, die auflockernden Elemente wie aufpoppende Kurznachrichten am Bildrand sowie der herausragende Soundtrack. Die Titelauswahl ist, genau wie der gesamte Film, erschreckend zielführend. Birdy, Tom Odell und Ed Sheeran helfen dabei, die Emotionen hochzukochen und die Tränendrüsen zu stimulieren – wenn man es zulässt.

Fazit:

Traurige Story, traurige Songs, trauriger Film. Aber dennoch absolut sehenswert, wenn man sich auf das Drama einlässt. Vor allem hervorzuheben ist die Darbietung der jungen Darsteller, von denen wir in Zukunft garantiert noch viel sehen werden. Und außerdem: Die wohl nahste Buchadaption, die ich bisher gesehen habe! Dieser Film vermittelt beim Schauen das gleiche Gefühl wie beim Lesen. Grandios!

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[reibeisen] 

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7 Gedanken zu “Filmkritik: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

  1. Gute Review!
    Ich denke, dass ich den Film nun im Kino sehen werde. Hört sich doch sehr interessant an.
    Schon das Posterartwork macht mich neugierig. Sieht aus wie von „Blau ist eine warme Farbe“.

    Gefällt mir

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