Filmkritik: Lawless – Die Gesetzlosen

Die Geschichte des wahren Unbreakable, Forrest Bondurant

Bereits im Mai 2012 wurde „Lawless“ in Cannes uraufgeführt und erhielt bei den Festspielen sogar eine Nominierung. Die Geschichte um die Gangster-Brüder Bondurant mit absoluter Star-Besetzung wurde seitdem sehnlichst auch in den deutschen Kinos erwartet. Doch leider blieb er der großen Leinwand fern. Wer in den Genuss dieses Films kommen möchte, muss auf DVD und Co. zurückgreifen. Wir haben das für euch getan und sagen – schäm dich deutsches Kino.

Quelle Trailer: KochMediaFilmDE

Handlung:

John Hillcoats (The Road, The Proposition) filmische Darstellung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Matt Bondurant und somit auf wahren Begebenheiten. „Der größte Sumpf der Welt“ –  so wird Franklin County genannt. Dort leben die Brüder Bondurant – Forrest (Tom Hardy), Howard (Jason Clarke) und Jack (Shia LaBeouf). Es ist das Jahr 1931 und in Amerika herrscht die Prohibition, Alkohol ist verboten. Doch die berühmten Bondurants, denen, insbesondere Forrest, nachgesagt wird unsterblich zu sein, lassen sich davon nicht unterkriegen. Getarnt durch ihre Tankstelle betreiben sie eine Schwarzbrennerei und verkaufen den selbstgemachten Fusel sogar an die hiesige Polizei. But there’s a new Sheriff in Town – Special Deputy Charlie Rakes (Guy Pearce). Rakes verlangt von den Brüdern einen Teil des Schwarzhandels an ihn abzugeben. Während die Bewohner des Countys unter den harten Drohungen des Deputys einknicken, bleiben die Brüder hart und wehren sich. Gegenseitig spielen beide Seiten sich die Bälle zu, schießen ein Tor im gegnerischen Spielfeld, bis der große Showdown naht.

Kritik:

Im Mittelpunkt der Story steht neben dem Kampf gegen das Gesetz auch die Beziehung der drei Brüder. Forrest ist als Familienoberhaupt ein eher wortkarger Geselle, der es umso mehr versteht mit seinen Fäusten zu sprechen. Dieser Mann wird so oft erstochen und erschossen, um dann immer wieder zu überleben – das nenn ich unbreakable. Er ist zwar ein harter und cleverer Bursche, steht jedoch immer für die Familie ein. Trotz des eher geringen Sprechanteils und der sich kaum verändernden Mimik, vermag es Tom Hardy vollkommen zu überzeugen. Wir wissen ja bereits seit „The Dark Knight Rises“, dass er nicht mehr als seine Augen braucht um eine gute Leistung abzuliefern. Charakterlich ähnlich verhält es sich mit Howard. Er gehört zu den starken Schlägern, die mit Gewalt zu überzeugen wissen. Allerdings lässt er sich manchmal auch leicht von den Freuden des Lebens ablenken. Der jüngste Bruder, Jack, sticht da raus. Er ist klein und schmächtig. Ihm liegt eher das geschäftliche Denken als die raue Welt der Gewalt. Seine Brüder nehmen ihn nicht ernst und er will nichts sehnlicher als sich vor ihnen zu beweisen. Die Konflikte, die dabei zwischen den drei Charakteren entstehen, sind schön herausgearbeitet, jedoch auch etwas vorhersehbar. So bringt Howards verantwortungslose Art Forrest in Gefahr. Jack kann sich natürlich irgendwann mit einem großen Coup im Familiengeschäft behaupten, mutiert jedoch schnell zum selbstverliebten Überflieger. Obwohl Shia LaBeouf in diesem Film endlich mal zeigen könnte, dass er mehr drauf hat als verdutzt zu gucken wenn Alien-Roboter vor ihm stehen, kann er sein Talent mit dieser nervigen Rolle nicht ausnutzen. Erst gegen Ende, wenn Jack endlich seinen Mut gefunden hat, kann auch Shia glänzen.

Auch der Frauenanteil fehlt in diesem Film nicht. Dabei heißt es Daumen hoch für die anmutige und großartige Jessica Chastain als Kellnerin Maggie Beauford und ihre bezaubernde Lovestory mit Forrest. Hier wird deutlich, dass der Film in einer anderen Zeit spielt, in der es noch Gentlemen und Ladies gab. Es entspinnt sich nur langsam, ja fast schüchtern, eine zarte Bande zwischen dem Mann mit der harten Schale und dem weichen Kern und der schönen aber auch starken Maggie. Verstohlene Blicke werden ausgetauscht und es wird umeinander herumgetänzelt. Es ist wirklich erfrischend mal wieder eine zarte Romanze bewundern zu dürfen, statt dem aufdringlichem Geflirte, welches nach fünf Minuten bereits in wildem Rumgeknutsche endet. Gleichzeitig wirkt die Beziehung nicht schnulzig und nimmt nur wenig Platz ein, um den eher düsteren Charakter des Films wirken zu lassen. Hingegen weiß die Liebesgeschichte um Jungspross Jack und Predigertochter Bertha Minnix (Mia Wasikowska) nicht zu überzeugen. Er umwirbt sie mit wirklich abgedroschenen Sprüchen und macht einen auf großer Player. Sie knickt viel zu schnell ein und wird rebellisch, scheut sich aber gleichzeitig. Hier heißt es Daumen runter.

Doch bleiben wir mal bei dem Positiven. Die Stimmung der Zeit und des Ortes wird passend durch leichte Folk-Musik unterstützt. Dabei gibt die musikalische Untermalung von Nick Cave auch den Takt vor, im wahrsten Sinne des Wortes. Um den realen Ereignissen getreu zu bleiben, entschied man sich dafür den Film eher ruhig aufzubauen. Es gibt keine hektischen Schnitte, keine wilden Kamerafahrten, alles läuft im eher langsameren Tempo. Kommt es doch mal zu einer schnelleren Szene, so ist dies sofort durch ebenso schnelle Melodien erkennbar. Wirkliche Hektik kommt jedoch nie auf, der Film bleibt ruhig. Wer auf zahlreiche laute Explosionen, wilde Verfolgungsjagden und Schießereien hofft, sucht hier vergeblich. Natürlich gibt es die ein oder andere Schlägerei und die Gewehre werden ausgepackt, doch bis auf den dramaturgisch nötigen fulminanten Showdown wird auf die große Action verzichtet. Ein gewisser Verzicht stellt sich ebenso hinsichtlich der Filmminuten Gary Oldmans ein. Seine Rolle als Gangster Floyd Banner flimmert nur selten über den Bildschirm, das ist verschwendetes Talent.

Fazit:

Doch trotz einiger Schwächen weiß „Lawless“ mit einem erfrischenden Konzept zu überzeugen. Eine Gangster-Story mit ruhiger Erzählweise, zarter folkloristischer, musikalischer Untermalung und einer dennoch düsteren Grundstimmung. Wilde Action bekommt man hier zwar nicht, dafür eine Top-Besetzung. Eine große Leinwand hätte sich der Film allemal verdient.

07-couchpotatos-neu

 

 

 

[atari]

Advertisements

2 Gedanken zu “Filmkritik: Lawless – Die Gesetzlosen

  1. Pingback: Filmkritik: Dawn of the Planet of the Apes | Motion Picture Maniacs

  2. Pingback: In the Spotlight – Dane DeHaan | Motion Picture Maniacs

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s