Filmkritik: The Legend of Hercules

The Legend of Hercules

… der Punkt geht an Disney!

Sneak Previews sind immer aufregend. Schon seit Jahren stürme ich mit Vorliebe diese Veranstaltungen, an denen ein Überraschungsfilm noch vor offiziellem Kinostart gezeigt wird. Oft wurde meine Neugier mit Filmen belohnt, auf die ich mich sowieso schon gefreut habe (The Cabin in The Woods, Sherlock Holmes), manchmal wurde ich dafür schwer bestraft (Echte Wiener) und manchmal war ich erst missgestimmt, wurde dann jedoch positiv überrascht (The Host (2006), Sabotage). Als ich zuletzt in die Sneak Preview ging, saß ich schwer verwirrt im Kinosessel – was zur Hölle war das?

Quelle Trailer: KinoCheck

Handlung:
Königin Alkmene und das gesamte Volk leben unglücklich unter der Herrschaft des tyrannischen Königs Amphitryon im antiken Griechenland. Sie betet die Götter an um die barbarischen Zeiten zu beenden und gebärt nach einer stürmischen Liebesnacht ein Kind von Zeus. Der gemeinsame Sohn, Hercules, weiß nichts von seiner göttlichen Herkunft und seiner wahren Bestimmung, nämlich die totalitäre Herrschaft seines Ziehvaters zu beenden. Noch dazu verliebt er sich in die schöne Heba, die jedoch bereits seinem Bruder Iphicles versprochen wurde. Hercules wird von König Amphitryon in eine Falle gelockt und daraufhin ins Exil nach Ägypten geschickt, wo er sich mit Gladiatorenkämpfen durchschlägt. Als er seine wahre Bestimmung erfährt, setzt auch alles dran sein rechtmäßiges Königreich zurück zu bekommen.

Kritik:
Die Geschichte des griechischen Halbgottes Hercules wurde bereits vielfach Opfer verschiedenster Adaptionen – besonders in diesem Fall trifft die Bezeichnung „Opfer“ den Nagel auf den Kopf.

Von Beginn an wirken die Dialoge, die Mimiken und zum Teil auch die Kameraeinstellungen viel zu überzogen und überdramatisiert. Das ging sogar soweit, dass an Stellen gelacht wurde, die sicherlich nicht dafür vorgesehen waren. Dazu zählen die verboten kitschige, halbtransparente Bildcollage aus einer weinenden Frau und dem Vollmond, genauso wie ein scheinbar in sekundenschnell von Hercules aufgebautes Liebesnest aus Blüten und Muschelketten – für spontane Romantikanfälle muss man schließlich immer alle Utensilien griffbereit haben.

Hinzu kommen Filmfehler, die die Authenzität des Dargestellten stören, darunter gepiercte Ohren, rasierte Achseln, strahlend weiße Zähne, stets sauber geschnittene Frisuren. Außerdem waren historische Wandbemalungen und Amphitheater offenbar schon in der Antike zerbröckelt und verfallen. Ein weiterer zentraler Störfaktor war die Auswahl der Darsteller: Hercules Mutter könnte glatt als seine jüngere Schwester durchgehen und auch der Ziehvater war scheinbar etwas frühreif. Es ist nachzuvollziehen, warum Kellan Lutz als Hercules gecastet wurde: er hat eine Figur, wie man sich einen Halbgott vorstellen mag – außer man hat wie wir Motion Picture Maniacs eine Schwäche für Loki . Allerdings war von Schauspieltalent in diesem Film leider nichts zu sehen. Maximal der Wunsch-Schwiegersohn kam zum Vorschein. Scott Adkins hat als fieser Tyrannenkönig allerdings einen guten Job gemacht. Gut war außerdem, dass man die Charaktere trotz unaussprechlicher Namen zumindest optisch gut auseinander halten konnte (*hust* „47 Ronin“…).

Die Dialoge im Film sind dünn und dadurch größtenteils überflüssig. Die Hauptstory ist so schnell erzählt, dass sie mit langen und detaillierten Kampfszenen künstlich in die Länge gezogen wurde. Wenigstens die waren zum Teil sehr gut umgesetzt. Allerdings kamen viel zu häufig Slow-Motion-Einstellungen zum Einsatz. Diese Technik der verlangsamten Szenen kann gerade in Fight-Szenen beeindrucken und das Besondere aus einem Film herausholen, hier war es jedoch zu viel des Guten. Weniger Slow-Mo in besser ausgewählten Szenen, das wäre die Devise um bleibenden positiven Eindruck zu hinterlassen.
Die gute Nachricht ist: der Film war nicht zu lang, wie es sonst typisch ist für Filme ähnlicher Art. Mit knapp 90 Minuten ohne Abspann ist man gut bedient und mehr sollte es für diese Darbietung wirklich nicht sein.

Fazit:
So hart waren wir noch nie in unseren Bewertungen, aber sind wir mal ehrlich: Das war nix! Schmalz und Kämpfe wechseln sich im Minutentakt ab und bieten immer die gleichen Elemente. Statt angespanntem Luftanhalten entfuhr Einem unfreiwilliges Lachen an den unpassendsten Stellen. Auch optisch macht der Film nicht viel her. So verwundert es nicht, dass die Ausgaben für die Produktion bisher nicht eingespielt werden konnten. Im Herbst kommt eine weitere Hercules-Verfilmung in die Kinos, mit Dwayne Johnson in der Rolle des griechischen Helden. Wir sind gespannt auf den Vergleich – und haben so eine Ahnung, dass der sehr hart ausfallen wird.

03-couchpotatos-neu

 

 

[reibeisen]

Könnt ihr die Kritikpunkte nachvollziehen?

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