Filmkritik: RoboCop

Why so robophobic?

RoboCop – ob gewollt oder nicht, dieser Name dürfte jedem auch nur teilweise Filminteressierten ein Begriff sein. Der erste Teil der Trilogie aus dem Jahr 1987 erschuf eine große Fangemeinde und brachte eine Popularität mit sich, die bis heute nachhallt. Natürlich war dementsprechend das Geschrei groß, als mehr als 20 Jahre später ein Remake des Science Fiction Klassikers angekündigt wurde. Remakes kommen immer mit enormer Skepsis daher und die 2013/14er Version von RoboCop bildet hier keine Ausnahme: Wer ist dieser Joel Kinnaman, der in die Rolle des Maschinen-Polizisten schlüpft? Warum ist der Film ab 12 freigegeben? Wer zum Teufel ist Padilha, der Regisseur? – Aber ach, Gary Oldman, Samuel L. Jackson und Ex-Batman Michael Keaton sind mit an Bord, dann kann der Film ja gar nicht schlecht werden, oder? ODER?!

Handlung:

Am Anfang steht eine politische Fernsehshow. Show-Host Pat Novak (Samuel L. Jackson) ist parteiisch auf der Seite des Megaunternehmens OmniCorp, dem Spitzenreiter in Sachen Robotertechnologie, der Drohnen und Roboter zur Unterstützung der Soldaten in Kriegs- und Krisengebieten einsetzt. Novak klagt an, dass der Einsatz solcher Sicherheits-Cyborgs in den USA verboten wird. Warum ist Amerika so robophobisch?, fragt er seine Zuschauer. Um die Gesetze zu umgehen und seine Roboter in den USA zu etablieren, kommt OmniCorp-CEO Raymond Sellars (Michael Keaton) eine moralisch fragwürdige Idee. Mithilfe des Forschers Dr. Dennett Norton (Gary Oldman) entwickelt er einen Roboter mit menschlichem Kern, der heldengleich für die Sicherheit im Land sorgen soll. Das Detroit im Jahr 2028 ist heruntergekommen und von Kriminalität gezeichnet. Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman), ein liebender Familienvater, ist ein Vorzeige-Cop. Nachdem er bei einem Attentat brutalst verstümmelt wird, stimmt seine Frau (Abbie Cornish) zu, ihn in den lebensrettenden Roboterkörper der Firma OmniCorp zu implementieren, um aus ihm einen mechanischen Gesetzeshüter zu machen. Doch bei all den Vorzügen des Maschinencops bleibt das intakte Gefühlsvermögen im Inneren immer ein Problem, ein Nachteil, den es zu überwinden gilt…

Kritik:

Ein  Vergleich zum Originalfilm ist nicht vorgesehen, aber ein paar Gegenüberstellungen können nicht außen vor gelassen werden.  Ende der 80er Jahre sorgte RoboCop für Furore, war satirisch und provokant, landete aufgrund seiner Brutalität sogar auf dem Index. Die neue Version erhält den Stempel „FSK ab 12 freigegeben“ und gleicht damit einer familienfreundlichen Version des brutalen Dystopie-Klassikers. Man könnte nun frech behaupten, dass der eher unbekannte Regisseur José  Padilha (bis auf „Tropa de Elite“) auf Nummer sicher gehen wollte, getreu dem Motto: Wenn schon ein Remake, dann spreche ich lieber die leicht zu begeisternden, konsumfreudigen Kids an. Die Altersfreigabe allein entscheidet jedoch generell natürlich nicht über ein Filmurteil.

Der Soundtrack  war auf unangenehme Weise verwirrend, ein Versuch in Richtung „Überraschungseffekt“, der allerdings in seiner Umsetzung eher in Richtung „nett gemeint“ tendiert, so offensichtlich fehlplatziert ist er in einigen Szenen.

Was in RoboCop fehlt, sind Szenen mit Wiedererkennungswert, ein einnehmender Soundtrack und Charaktere mit Ausstrahlung. Joel Kinnaman, ein großer Schwede mit starrem Gesichtsausdruck, sieht schon bevor er im Anzug verankert ist alles andere als vital und lebensfroh aus. Von Charisma und Sympathie keine Spur. Da helfen auch die überschwänglichen und tränenreichen Familienszenen nicht. Was stattdessen wenigstens mitreißen sollte, sind actiongeladene Kampfszenen gegen Menschen und Maschinen gleichermaßen, die einem Roboterfan kein Blinzeln erlauben, doch auch daran hapert es. Bemerkenswerte Gegner oder Kämpfe gibt es nicht. In einer der (wohl als solche angedacht) spannendsten Szenen bin ich sogar abgeschweift, trotz der absichtlich irritierenden Musik, die eigentlich die Aufmerksamkeit hätte steigern sollen.

Insgesamt gibt es außerdem keinen sonderlich aufregenden Handlungsablauf. Die witzigen Momente sind an einer Hand abzuzählen. Der Quotenwitzbold Jay Baruchel in der Rolle des OmniCorp Marketingangestellten Tom Pope reißt hier auch nichts raus.

Fazit:

Alles in allem ist der Film ganz nett anzusehen – wenn man die Vorlage nicht kennt vielleicht sogar unterhaltsam. Ansonsten hapert es gewaltig an erinnerungswürdigen Szenen und Figuren, Schauspielgrößen Oldman, Jackson und Keaton sorgen hier wenigstens für ein paar höhere Tendenzen. Auch sieht der RoboCop-Anzug ganz schick aus, das sollte nicht außer Acht gelassen werden. „Ja Mr. Wayne, den gibt’s auch in schwarz“, poppt Batman-Fans sofort ins Gedächtnis, wenn im Film das Design des Anzugs besprochen wird.

Übrigens: Hauptdarsteller Joel Kinnaman war aufgrund seines skandinavischen Hintergrunds für die Rolle des Thor (Chris Hemsworth) angedacht! Nach diesem Film ist es umso schwerer vorzustellen, den gebrochenen dünnen Alex Murphy als mächtigen Donnergott zu sehen. Auch als Hauptfigur im neuen Mad Max Film war Kinnaman im Gespräch. Die Rolle ging schließlich an Muskelpaket Tom Hardy. Wer jedoch für solche Filme im Gespräch ist, den wollen wir Motion Picture Maniacs nicht voreilig abhaken. Wir sind gespannt, was wir von dem Schweden noch sehen werden.

Leider, leider kann ich aufgrund der vielen Kritikpunkte und des fehlenden Unterhaltungswertes nur 5 Couchpotatoes geben.

5 Couchpotatoes photo 05-couchpotatos.jpg

[reibeisen]

Quelle Trailer: STUDIOCANAL Germany

Hat euch diese Review nun robophob werden lassen?

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2 Gedanken zu “Filmkritik: RoboCop

  1. Pingback: Vorschau: Kinokracher 2014 | Motion Picture Maniacs

  2. Pingback: ROBOCOP (2014) | Trailer 2 | lest unsere Kritik hi… Reviews | Kino Man

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