Filmkritik: Warm Bodies

Romeo und Julia im Zombieland

„Was mache ich bloß aus meinem Leben? Ich bin so blass, ich sollte mehr an die frische Luft gehen und gesünder essen. Meine Körperhaltung ist miserabel, ich sollte gerader gehen. Man hätte mehr Respekt vor mir, wenn ich aufrechter ginge. Was ist los mit mir, ich will doch nur Freunde finden?! Warum krieg‘ ich keinen Kontakt zu anderen Menschen?“ – Das sind die ersten Worte von R an die Zuschauer. R lebt am Flughafen, schlurft emotionslos durch die Gegend, rempelt hier und da Leute an und hat selbst für seinen besten Freund M nicht mehr als brummeliges Gurgeln übrig. Das alles klingt nach einem Film über einen orientierungslosen mürrischen Teenager und das ist es auch – allerdings ist dieser Teenager ein Untoter mit großem Appetit auf menschliche Gehirne. Ladies and Gentlemen, begrüßen Sie den wohl liebenswürdigsten Zombie aller Zeiten: R.

Handlung:

Die Zombie-Apokalypse ist gekommen. Untote streifen immer-hungrig durch das Land und haben besonders großen Appetit auf die Denkapparate der überlebenden Menschen. Beim Genuss der grauen Zellen widerfährt ihnen eine Art Kick: Sie durchleben die Erinnerungen und Gefühle des Menschen und wissen für einen kurzen Moment wieder, wie es war ein Mensch zu sein. Nachdem R (Nicholas Hoult) eines Tages das Hirn von Perry (Dave Franco)  gekostet hat, dreht sich sein Dasein um 180 Grad. Perry hatte eine große Liebe, Julie (Teresa Palmer) und schlagartig wird auch R von starken Gefühlen für das schöne Mädchen überwältigt. Auch Julie merkt, dass R anders ist als die restlichen Zombies und so knüpfen beide ein zartes und befremdliches Band, das immer nahe am Zerreißen ist aufgrund von anderen Untoten, anderen Überlebenden und vor allem Julies Vater (John Malkovich).

Kritik:

Ein Menschenmädchen und ein Untoter verlieben sich und führen eine Bilderbuchromanze? Wo haben wir das schon einmal gehört… Warm Bodies hatte mit großen Vorurteilen zu kämpfen, allen voran dem Vorwurf, ein neues Twilight zu werden und eine weitere Gattung an Monstern zu verhunzen und verhätscheln. Doch Jonathan Levines Werk ist entgegen aller negativen Erwartungen ein origineller und witziger Film, der garantiert im Gedächtnis bleibt. Die Buchvorlage „Mein fahler Freund“ liefert Isaac Marion und hat nichts mit einem überemotionalen Teenieroman zu tun.

Der Film überzeugt ab der ersten Minute. Die düsteren Farben und die triste Weltdarstellung versetzen einen sofort in die richtige Stimmung. Warm Bodies ist kein Horrorfilm, weiß jedoch stellenweise geschickt zu erschrecken. Insgesamt ist der Film eine Komödie, die in Richtung Shaun of the Dead geht und vor allem mit Witz und Ironie die Zuschauer überzeugt. Rs zynische Kommentare aus dem Voice Over machen den besonderen Charme des Films aus. Die Sympathie mit ihm und den anderen Zombies wird vor allem dadurch erleichtert, dass hier nicht die Zombies die bösen sind, sondern es noch blutrünstigere Kreaturen gibt: die Knochen. Diese fleischlosen, fiesen und blutrünstigen Megazombies stellen für Menschen und Untote gleichermaßen eine Bedrohung dar und lassen R und Co. umso liebenswürdiger erscheinen.

Die Lovestory ist süß ohne kitschig zu sein. Zombie R ist kein strahlender Prinz, sondern ein blasser, schlurfender Toter. Und Julie ist kein hilfsbedürftiges ängstliches Mädchen, sondern eine apokalypsengeprüfte Powerfrau. Die Namen R und Julie kommen nicht von ungefähr. Warm Bodies ist Romeo und Julia im Zombieland. Verbotene Liebe und romantische Balkonszene inklusive.

R ist ein Plattensammler und steht auf große Liebeshymnen aus den 80er Jahren. Jimmy Cliff, Bruce Springsteen, Guns’N’Roses und weitere Rockgrößen schmücken den Soundtrack und sorgen für die richtigen Klänge zur richtigen Zeit.

Jammerschade: Nach der ersten Hälfte beginnt die Spannungskurve auszuleiern und humpelt schließlich mit nachgezogenem Bein ihrem vorhersehbaren Ende entgegen.

Fazit:

Alles in allem ist Warm Bodies jedoch eine originelle und absolut sehenswerte Zombieromanze, die mit Klischees aufräumt und in Erinnerung bleibt. Denn wo noch immer genug Lebensadern schlagen um sich (lebens-)hungrig durch die Straßen zu schleifen, können eventuell auch totgeglaubte Herzen wieder pochen.

Ich vergebe 7 Couchpotatoes.

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Quelle Trailer: KinoCheck

[reibeisen]

Übrigens: Die Review ist Teil einer weiteren Coop mit unserer Lieblingsbloggerin von Lebens[leseliebe]lust. Ihre Rezension zur Buchvorlage von “Warm Bodies” gibt es hier.

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