Filmkritik: American Hustle

New York, zahlreiche Intrigen – die Frisur hält

American Hustle zählt zu den großen Favoriten für die Oscars 2014 und ist als einziger Film für die Big Five, also die fünf wichtigsten Kategorien, nominiert. Klar, dass wir Motion Picture Maniacs es uns nicht nehmen lassen konnten, diesen Film zu begutachten. Eins kann vorweg gesagt werden, Regisseur David O. Russel (Silver Linings, The Fighter) beweist erneut sein Talent für besondere Werke. Star-Besetzung, ein talentierter Co-Autor (Eric Warren Singer: The International) und gekonnte musikalische Inszenierung mit Soundtrack-Größe Danny Elfman, sind beste Zutaten für einen grandiosen Film.

Handlung:

Der Film basiert auf einer FBI-Operation mit dem Namen „Abscam“. Teile der Handlung sind also so wirklich geschehen. American Hustle zeigt mal wieder deutlich: die besten Geschichten schreibt das Leben, obwohl eine geschickte cineatische Umsetzung eine gewisse Würze verleihen kann. Doch worum geht es nun konkret? Irving Rosenfeld (Christian Bale) ist ein Trickbetrüger und lernt die schöne Sydney Prosser (Amy Adams) kennen. Gemeinsam ziehen sie ein Geschäft auf, um Leuten falsche Kredite anzudrehen. Hierfür erschafft Sydney ihre neue Identität Edith Greensley, eine Frau mit Beziehungen zu britischen Bankern. FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) kommt ins Spiel und will die beiden auffliegen lassen. Einzige Rettung ist ein Deal mit dem ambitionierten Agenten. Er will Wirtschaftskriminelle mit Hilfe von Irving und Edith verhaften. Richie strebt nach Großem und will bald noch an korrupte Politiker herankommen. Hier kommt der Bürgermeister von Camden, Carmine Polito (Jeremy Renner) ins Spiel. Den eigentlich ehrlichen Politiker wollen sie ausnutzen und über ihn an Kongressabgeordnete zu gelangen. Es entsteht ein korruptes Spiel um einen fingierten arabischen Scheich, der in Atlantic City ins Casino Resort investieren soll. Dabei kommen immer neue Schachfiguren auf das Spielbrett, darunter ein Mafiaboss. Und natürlich ist da noch Irvings Frau Rosalyn (Jennifer Lawrence), die er mit Edith betrügt, und sein geliebter Adoptivsohn, die sein Leben noch weiter aufwirbeln.

Kritik:

Die Story, wenn auch auf wahren Begebenheiten beruhend, ist sicher nicht unbedingt neu – im Fokus steht das klassische „Wer legt hier eigentlich wen rein?“. Doch ist dieses Prinzip gekonnt umgesetzt. Bis zum Schluss ist man sich nie ganz sicher, wer auf welcher Seite steht. Den größten Unterhaltungsfaktor bringen aber die Figuren. Die Charaktere sind so fein gezeichnet, sie heben den Film wirklich auf Oscar-Niveau. Es gibt keine einzige Rolle, die nicht kaputt ist. Jeder hat sein eigenes kleines, oder auch eher großes, Problem und sein Päckchen zu tragen. Die Fehler werden in aller Ehrlichkeit demonstriert, ohne dass es jemals aufgesetzt wirken würde. Genau da entsteht der Reiz. Denn obwohl die Charaktere so kaputt sind und nicht gerade zum Freund des Jahres taugen würden, sind sie in ihren Marotten unglaublich sympathisch. Obwohl ernste Probleme angesprochen werden und teilweise heftig die Fetzen fliegen, wagt es der Film auch einen eher lockeren Blick auf die Dinge zu werfen. Fehler werden in humoristischer Weise präsentiert, sodass man gar nicht anders kann als einen jeden der Protagonisten zumindest ein bisschen ins Herz zu schließen.

Also schauen wir uns die liebenswürdigen Verrückten doch mal genauer an.

Da ist Irving, der dickbäuchige Trickbetrüger mit der Halbglatze, der seine Frau betrügt. Klingt zunächst nach einem echten Idioten, um das A-Wort nicht zu gebrauchen. Aber die Art, wie er mit seiner geliebten Freundin Edith umgeht, oder wie sehr er seinen Adoptivsohn liebt, lässt auch den Zuschauer warm ums Herz werden. Sicher werden einige Frauen es bedauern, dass Christian Bale seinen Batman-Körper, sagen wir mal, verformt hat. Aber Bale spielt Irving einfach verdammt gut, sodass man darüber hinwegsehen kann. Besonders das Zusammenspiel mit Bradley Cooper harmoniert exzellent. Die kleinen Sticheleien zwischen dem Kriminellen und dem motivierten FBI-Agent sind einfach herrlich. Denn Agent DiMaso will, im Gegensatz zu Irving, einfach immer zu viel. Er will es nicht klein halten, er will die großen Fische. Richie ist total über-ambitioniert. Seine quasselige, energiegeladene Art, die teilweise an das Duracell-Häschen erinnert, ist erfrischend, bringt ihn aber in einige Schwierigkeiten. Dann haben wir noch die süße Amy Adams, die als Edith zur sexy, cleveren Frau wird. Aus der Märchenprinzessin („Verwünscht“) wird Booberella, so viel Dekolletee haben wir selten gesehen. Aber sie ist nicht einfach nur schön. Edith ist eine wahre Lebenskünstlerin und behält auch in schwierigen Situationen den Überblick. Ihr einziger Fehler ist die tragische Liebe zu Irving. Ebenso so hübsch – mal ganz ehrlich die Frauen stechen die Männer mit den komischen Frisuren so richtig aus – ist die allseits beliebte Jennifer Lawrence. Ihre Rolle der Rosalyn ist so konzipiert, dass man sie eigentlich von allen Figuren am wenigsten mögen müsste. Eine chaotische, minder intelligente Frau, die ihr Kind vernachlässigt und zu viel schwatzt. Die Fehler werden aber auch bei ihr so sympathisch dargestellt und Jennifer Lawrence bringt eine so grandiose Mimik mit, dass man sie nur lieben kann. Für uns eindeutig der Liebling des Films. Charakterlich müsste aber eigentlich Carmine Polito die Herzen erobern. Er ist ein wahrer Gutmensch, selbst die nicht unbedingt legalen Dinge, die er tut, begeht er nur im Sinne der Bürger seiner Stadt. Er will, dass es den Leuten gut geht. Dabei ist er eben einfach zu naiv und endet als Bauernopfer dieser Story.

Ein Extra-Bon-Bon bildet der kurze, aber dennoch Eindruck hinterlassende Auftritt von Robert de Niro als kaltblütiger Mafiaboss. Er vermag es allein mit seinem Blick Unruhe zu vermitteln und schafft es innerhalb seiner wenigen Leinwandminuten unmissverständlich klarzustellen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Fans von Stand-Up-Comedy-Größe Louis C. K. dürfen sich außerdem auf ihren Helden in der Rolle eines bemitleidenswerten FBI-Boss freuen. Alles in allem ist es ein großer Spaß, so viele brillante Schauspieler dabei zu beobachten, wie sie perfekt in ihre 70er-Jahre-Rollen hineingeschlüpft sind und trotz unzähliger Intrigen ein grandioses Ganzes bilden.

An den Charakteren wird bereits deutlich, dass American Hustle Tragik und Humor auf gekonnte Weise miteinander verbindet. Nie wirkt der humoristische Blick fehl am Platz. Es sind die menschlichen Fehler, die den Witz echt erscheinen lassen. Ein besonderes Highlight ist eine mit Gummihandschuhen bekleidete, aufgebrachte Jennifer Lawrence, die ihren Frust in einem wilden Tanz auslässt. Ein weiterer Hingucker ist Bradley Cooper mit rosa Lockenwicklern im Haar. Und ihr solltet unbedingt auf die Story mit dem Eisfischen achten, ein absoluter Running Gag.

Tarantino-Fans aufgepasst: Alle, die die Filme des Ausnahme-Regisseurs inhaliert haben, werden in American Hustle zahlreiche Tarantino-stilistische Details wiedererkennen, wie zum Beispiel die Kameraperspektive aus dem Kofferraum heraus, die Fußfixiertheit, sowie eine zum Teil asynchrone Erzählweise.

Fazit:

American Hustle ist pure Unterhaltung. Der Film lebt von seinen skurrilen, liebenswerten Charakteren und wird getoppt von den exzellenten schauspielerischen Leistungen. Für uns ein ganz heißer Favorit für die Oscars. Bei den Motion Picture Maniacs erhält der Film bereits jetzt eine Auszeichnung:

Ich vergebe 9/10 Couchpotatoes.

Bewertung: 9/10 Couchpotatoes. Die Couchpotato, eine Comic-Kartoffel, ist das Maskottchen von Motion Picture Maniacs

Quelle Trailer: TobisFilmclub

[atari]

Ist dieser Film auch ein Oscar-Favorit für euch?

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