Filmkritik: Lucky Number Slevin

Das Glück der Erde liegt nicht immer auf dem Rücken der Pferde

Ein Rabbi, ein Schwarzer und ein Weißer… Nein, das ist nicht der Anfang eines schlechten Witzes, es sind die Hauptfiguren einer ziemlich interessanten Story. Mit Lucky Number Slevin schuf Paul McGuigan im Jahr 2006 einen Film, der nicht so leicht in eine der Genre-Schubladen zu stecken ist und damit genau den Charme des Werkes ausmacht.

Handlung:

Im Jahr 1979 erfahren mehrere Leute von einem gedopten Pferd, das den sicheren Sieg auf der Pferderennbahn bringen soll. Neben der Mafia will sich auch ein normaler Familienvater, der sich von  Gangsterbossen das nötige Kleingeld leiht, den großen Pott sichern. Doch es kommt wie es kommen muss, das Pferd stürzt kurz vor dem Ziel und alle verlieren ihr Geld. Die Mafia ist daraufhin nicht sehr erfreut und lässt ihren ganzen Unmut am armen Familienvater aus, da dieser ihnen nun auch eine Menge Zaster schuldet. Die Situation endet in einem Blutbad in dem die ganze Familie getötet wird – Mutter, Vater, Sohn. Diese kleine Geschichte erzählt niemand geringerer als Bruce Willis, im Film einfach nur Smith genannt, einem fremden Mann am Flughafen. Wieso er das tut? Kansas City Shuffle. Was ein Kansas City Shuffle ist? „Alle gucken nach rechts, während du linksrum gehst.“ Was das mit dem Film zu tun hat? Das wird dem verwirrten Zuschauer nicht verraten. Doch eins kann verraten werden, der gesamte Film ist ein einziges Kansas City Shuffle. Nachdem also der Zuschauer mit genügend Fragen und zahlreichen „hähs“ ausgestattet wurde, startet endlich die eigentliche Geschichte.

Slevin Kelevra (Josh Hartnett), mit nichts weiter als einem Handtuch bekleidet, betrachtet sein zerschundenes Gesicht im Spiegel. Plötzlich erscheint die hübsche und aufgeweckte Nachbarin Lindsey (Lucy Liu), die äußerst verwundert ist ihn in der Wohnung anzutreffen. Doch wieso überrascht sie das? Und wieso hat Slevin eine gebrochene Nase? Wieder diese Fragen. Nun ganz einfach, Slevin befindet sich nicht in seiner Wohnung, sondern in der seines Freundes Nick Fisher (Sam Jaeger). Diese Tatsache ist der Ausgangspunkt für eine irre und grandiose Verwechslungsgeschichte. Alle halten Slevin Kelevra für Nick Fisher, so auch der Boss und der Rabbi. Zugegeben klingt es nun wieder nach einem dieser schlechten Witze, aber hinter den beiden verbergen sich die größten Mafiabosse der Stadt, die ihr ganz eigenes Interesse an Nick/Slevin haben. Was sie alle verbindet ist mal wieder das geliebte Geld, denn davon schuldet Nick den Mafiosi eine Menge. Es liegt nun an Slevin die Schulden irgendwie zu begleichen, denn es interessiert niemanden, dass er nicht Nick Fisher ist. Innerhalb von fünf Tagen muss er einige tausend Dollar auftreiben, den schwulen Sohn des Rabbi töten – masel tov – und ein mysteriöser Mitspieler taucht auch noch auf. Ein Verwechslungsspiel mit jeder Menge Verwirrungen, die nun im Rest des Films auf den Zuschauer einprasseln.

Kritik:

Lucky Number Slevin ist die perfekte Mischung aus Gangsterfilm und Verwechslungskomödie. Die Story ist fein zusammengesponnen, ständig ergeben sich neue Fragen und Wendungen, die den Zuschauer aber nicht überfordern. Gleichzeitig wird auch nie zu viel verraten um einen fulminanten Showdown zu sichern. Dabei besticht der Film nicht durch überladene Action oder wilde Schießereien, wie man dies vielleicht erwarten würde, sondern überzeugt mit Witz, interessanten Charakteren und einer gehaltvollen Geschichte. Ebenso brilliert die namhafte Besetzung. Lucy Liu mimt die quirlige und neugierige Nachbarin auf eine sehr erfrischende Weise, dass man sie einfach lieben muss. Josh Hartnett nimmt man den coolen aber leicht trotteligen Slevin total ab. Die harten Mafiabosse kann man mit Morgan Freeman als „Der Boss“ und Sir Ben Kingsley als Rabbi wohl nicht besser besetzen. Alle Charaktere harmonieren auch im Zusammenspiel sehr gut miteinander und trotz der rauen Gangsterwelt gehen weder Witz noch Romantik verloren. Die Musik von Joshua Ralph setzt die passenden Akzente und unterstützt die Atmosphäre der einzelnen Szenen wunderbar. Das eigens für den Film komponierte Lied „Kansas City Shuffle“ mutiert sogar zum regelrechten Ohrwurm.

Fazit:

Lucky Number Slevin kann man als einen dieser Geheimtipps bezeichnen, den man ohne Bedenken sowohl Männlein als auch Weiblein empfehlen kann. Es ist eine bunte Mischung aus Gangsteraction, Verwechslungskomödie, Witz und einem Hauch Romantik. Die Schublade für diesen Film muss erst noch erfunden werden und auch dann sollte er nicht darin versauern. Ganz großes Kino mit einer Menge Charme, tollen Figuren und Top-Besetzung. Und jetzt alle mal nach rechts schauen …

Ich vergebe 10/10 Couchpotatoes

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[atari]

Quelle Trailer: The Weinstein Company

Wäre euch dieser Filmauch die volle Punktzahl wert oder welche “Glückszahl” würdet ihr bevorzugen?

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: Lucky Number Slevin

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