Filmkritik: The Bling Ring

Gierige Gören in den Hollywood Hills

Wie hat sich mein Lieblingsstar seine Wohnung eingerichtet? Lebt er eher bescheiden oder opulent? Welche Geheimnisse hat er wohl und ist er wirklich, wie er sich in den Medien gibt? Solche Fragen haben sich bestimmt schon viele Fans von Schauspielern, Musikern und anderen Künstlern gestellt. Eine Bande verzogener Teenager hatte im Jahr 2009 genug von der bloßen Vorstellung und kaperte schnurstracks und mit lächerlicher Einfachheit die Anwesen ihrer liebsten Hollywood-Ikonen.

Handlung:

Einzelgänger Marc (Israel Broussard) kommt neu an die Schule in Los Angeles und freundet sich schnell mit der charismatischen Rebecca (Katie Chang) an. Angetrieben von Langeweile durchstreifen die beiden eines Abends ihre wohlhabende Nachbarschaft auf der Suche nach unverschlossenen Luxusautos. Sie werden fündig und reißen sich zurückgelassene Portmonees unter den Nagel. Gemeinsam checken sie regelmäßig  Prominews um über ihre Stars informiert zu sein. Als sie in einem aktuellen Artikel lesen, dass Paris Hilton für eine auswärtige Party ihr Haus verlassen wird, planen die beiden, dem Anwesen der Hotelerbin einen Besuch abzustatten. Der Weg in die kostspieligen Gefilde ist leicht: der Schlüssel liegt unter der Fußmatte. Schnell kommen die beiden, gemeinsam mit Rebeccas Clique, auf den Geschmack und gehen auf Beutejagd in den Hollywood Hills.

Kritik:

Es klingt absurd und zu einfach um wahr zu sein – ist aber genau so geschehen. Journalistin Nancy Jo Sales enthüllte 2009 im Entertainment Magazin „Vanity Fair“ die Geschichte einer Gang von Jugendlichen, zu deren Hobbies Einbrüche in Promi-Häuser zählten. Zu den Opfern zählten neben Paris Hilton namhafte Stars wie Orlando Bloom, Lindsay Lohan, Megan Fox und Rachel Bilson. Dieser Zeitungsartikel diente Sofia Coppola als Vorlage für einen Aufregung versprechenden Film. Die oscarprämierte Regisseurin wusste sich bisher nicht nur aufgrund ihres prominenten Vaters Francis Ford Coppola, sondern vor allem durch ihre Filme „The Virgin Suicides“ (1999) und “Lost in Translation” (2003) einen populären und bekannten Namen in der Filmbranche zu machen. „The Bling Ring“ ist im Vergleich viel bunter, lauter und aufbrausender, aber ihre stiltypischen gedehnten, dialogfreien und ruhigen Szenen hat Coppola auch hier wieder untergebracht.

Die Story beginnt in der aktuellen Zeit und erzählt die Geschehnisse anhand von Rückblicken, Interviews und fast schon dokumentarähnlichen Sequenzen. Lange Kamerafahrten begleiten die Figuren, sodass man ihnen auf ihren sonnigen Streifzügen über die Schulter schauen kann. Der Soundtrack ist laut, krachend, nicht zu überhören, sogar fast schon aufdringlich und passt damit perfekt zum Film. Er verleiht dem Gesehenen den nötigen Ausdruck von Exzessen, Sommer, Party und Drogen. Wenige Slow-Motion-Szenen versuchen dem Film Tiefgang zu verleihen, zum Beispiel wenn über die Liebe gesprochen wird, aber insgesamt erhält man zum Teil in den Eindruck, das Spiel mit verschiedenen Drehelementen wurde übertrieben und ist fehl am Platz. Auffällig ist das präsente Product Placement, insbesondere in Bezug auf Autos und Internetgiganten, jedoch passt diese penetrante Hinweisung auf Marken zum Image der Diebesclique und des gesamten Films.

Das Gezeigte ist voller Farben, Kontraste und Schnelligkeit. Gesprochen wird dagegen wenig. Die überwiegend schwachen, dünnen Dialoge passen zu den einfach gestrickten Figuren, die im Grunde bis zum Ende keine erkennbare Entwicklung durchmachen, sondern stattdessen einfach zu durchschauen sind. Emma Watson, einer der Gründe den Film überhaupt zu gucken, spielt ihre Rolle der oberflächlichen und starverrückten Nicki zwar gut und überzeugend, einen bleibenden Eindruck hinterlässt jedoch keiner der Charaktere. Insgesamt versucht der Film alle Dialoge aufs Nötigste zu beschränken und die Bilder für sich sprechen zu lassen. Leider wirken die Handlungen dadurch häufig öde und zu gedehnt. Da helfen auch Kurzauftritte von beispielsweise Kirsten Dunst oder Paris Hilton nicht, um wieder Schwung in das Filmerleben zu bringen.

Fazit:

Die Story über ein paar verzogene Teenies, die mir-nichts-dir-nichts in die Häuser von Hollywood-Sternchen einmarschieren, macht neugierig, jedoch fehlt es der filmischen Umsetzung an Spannung und interessanten Figuren. Insgesamt ist ein Film entstanden, der eher was “zum Nebenbeischauen” ist.

4 Couchpotatoes photo 04-couchpotatos.jpg

Ich vergebe 4 von 10 Couchpotatoes. Sorry Emma!

[reibeisen]

Quelle Trailer: TobisFilmClub

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