Filmkritik: Wolverine – Weg des Kriegers

Schwerter statt Krallen

Wieder einmal darf der wohl coolste der X-Men auf einen Solotrip gehen: Wolverine. Bereits die Änderung des Titels, ganz ohne „X-Men Origins“, lässt erahnen, dass in Logans neuem Abenteuer einiges anders läuft als im Vorgänger. So wurde auch gleich mal der Regisseur ausgetauscht und es stand nun James Mangold Hugh Jackman zur Seite, welche bereits in „Kate & Leopold“ zusammenarbeiteten.

Handlung:

Der Film macht einen zeitlichen Sprung und präsentiert nicht Wolverines Geschichte vor seiner Zeit bei den X-Men sondern setzt direkt an den Geschehnissen aus „X-Men – Der letzte Widerstand“ an. Logan (Hugh Jackman) hat die Schule von Charles X. Xavier (Patrick Stewart) verlassen und lebt nun ein einsames Leben als Einsiedler. Er hat es nicht verkraftet, seine Liebe Jean Grey (Famke Janssen) töten zu müssen und sieht sich selbst nicht mehr als X-Men Wolverine. Jede Nacht wird er von Albträumen geplagt, in denen Jean ihn bittet zu ihr zu kommen. Doch der Weg auf ihre Seite führt nur über den Tod. In diese Situation platzt die junge Asiatin Yukio (Rila Fukushima). Logan soll sie nach Tokio begleiten und seine Heilungskräfte auf ihren todgeweihten Adoptiv-Großvater Yashida übertragen, dem Logan bereits im Zweiten Weltkrieg das Leben rettete. Er lehnt Yashidas Angebot jedoch ab und der alte Mann verstirbt noch am selben Abend. Dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Auf der Beerdigung wird plötzlich Yashidas leibliche Enkelin Mariko (Tao Okamoto) von den Yakuza, der asiatischen Mafia, entführt. Logan kann sie im letzten Moment retten und ist nun auf der Flucht mit ihr. Doch die Gefahr ist noch längst nicht gebannt und die beiden geraten immer wieder in Kämpfe. Dabei bleiben einige wichtige Fragen offen: Wer steckt hinter diesem Komplott? Und was ist das Ziel der Bösewichte?

Kritik:

Witzige Anmerkung nebenbei: Wer hätte das gedacht, der coole und harte Wolverine, der unsterbliche Krieger, hat Flugangst. Eine höchst amüsante Szene, wenn man bedenkt, dass ein Flugzeugabsturz ihn nicht töten könnte. Man bekommt also ein Actionabenteuer in Japan geliefert. Wolverine wechselt den Ort, die Zeit, aber noch wichtiger, er wechselt seine Waffe. Bereits zu Beginn wird ihm ein Samurai-Schwert angeboten. Lehnt er dieses zunächst noch ab, muss er für den Finalkampf auf seine Mutantenkräfte verzichten und zum Samurai werden. Genau das ist der Knackpunkt an dem Film. Wo sind die Mutanten? Ja, natürlich, wir haben Wolverine. Aber der lehnt zu Beginn seine Rolle als X-Men ab und greift am Ende zum Schwert. Die Klauen bleiben eingefahren. Neben ihm gibt es nur zwei weitere Mutanten: Yukio und Viper (Svetlana Khodchenkova). Richtig gelesen, die kleine, umherwirbelnde Schwertkämpferin Yukio trägt auch ein Mutantengen in sich, aber keines mit dem sie kämpfen könnte. Obwohl sie so energiegeladen wirkt, trägt sie wohl eine der grausamsten und makabersten Talente in sich. Yukio kann die Zukunft sehen, aber nicht auf normale Weise, sie sieht nur den Tod der Menschen. So sagt sie auch Wolverine voraus, dass der in Tokio sterben wird. Auf Logans Leben hat es dann Mutantin Viper abgesehen. Comic-Fans werden die Schurkin bereits kennen. Wie der Name dieser Lady erraten lässt, kann sie Gifte erzeugen und ist außerdem gegen jedes Gift der Welt immun. Richtig creepy wird es dann, wenn die Gute beginnt sich zu häuten. Ein sehr netter Special-Effekt, der leider keine Haare nachwachsen lässt – ein Talent über das Wolverine übrigens verfügt.

Insgesamt wirkt das neue Werk aus Marvels Hit-Maschine irgendwie losgelöst vom X-Men-Kosmos. Auch die Träume mit Jean können da nicht helfen. Es erspinnt sich eine ganz eigene Story, die sich nur um die Yashidas dreht. Wenn Logan nicht doch ab und zu die Krallen ausfahren würde, könnte man auch meinen, es handele sich hier um einen Film über Yakuza und Samurai. Teilweise werden Hintergrundgeschichten über die Familie ausgepackt, bei denen man sich wundert, welche Rolle sie für den Film und vor allem für Logan spielen. Ist die Moral von der Geschicht, oder die Weisheit die Logan erkennen muss, doch, dass er den Weg des Kriegers wieder beschreiten muss, dass er seine Mutantenkraft akzeptieren muss – denn wie wir seit Onkel Ben wissen „Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung“ – wirkt es umso enttäuschender, dass er den entscheidenden Kampf als Samurai und nicht als Mutant bestreitet. Das große Finale ist teilweise auch etwas hektisch gestaltet. Jeder kämpft gegen jeden und wieso überhaupt gekämpft wird bleibt dabei weiterhin unklar. Erst ganz zum Schluss wird aufgelöst, was hier überhaupt gespielt wurde. Okay, es ist mal was Neues, wenn der Bösewicht nicht lang und breit seinen Plan vor dem Kampf verkündet, aber hier sorgt das nur für Verwirrungen.

Neben diesem einen großen Fehler, ist Wolverine aber ein gelungener Film. Es ist eine gute Mischung aus Action, Story, Emotionen und charakterlicher Entwicklung. Die musikalische Begleitung von Marco Beltrami (World War Z, Warm Bodies u.a.) sorgt dabei für einige Gänsehaut Momente. Dabei ist Hugh Jackman der uns bekannte obercoole und mehr oder weniger sympathische Wolverine mit stählerner Figur. Die Kampfszenen sind gut und überzeugen mit einigen coolen Tricks und Special Effects. Allerdings sind sie teilweise auch etwas grausam, sodass ich die Ethikkeule schwingen und mich fragen muss, ist die FSK12 nicht etwas zu weit unten angesetzt?

Das Beste am Film war aber wohl das Ende. Damit meine ich nicht das stinknormale Ende, sondern die Überraschungsszene, die den Zuschauer immer nach dem Abspann eines jeden Marvel-Films erwartet. Dieses kleine Bonbon konnte mir dann doch noch einige große „Oohhs“ und „Aaahs“ abringen, die mir während des Films nur selten entlockt werden konnten.

Fazit:

Wolverine mag durchaus zu unterhalten und muss sich im großen X-Men-Kosmos nicht verstecken. Doch fehlt leider eine gute Portion Mutanten, das was wir an dieser Comicreihe so lieben. So bleiben ganz große Emotionen während des Films leider aus, aber umso höher schlägt das Fan-Herz nach dem Abspann. Also sitzen bleiben.

Ich vergebe 7/10 Couchpotatoes.

[atari]


Quelle Trailer: FoxKino

Wie findet ihr Wolverine im Samurai-Gewand?

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4 Gedanken zu “Filmkritik: Wolverine – Weg des Kriegers

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