Filmkritik: World War Z

Brad Pitt vs. Zappel-Zombies ODER Der kleine Zombie Nimmersatt und seine Freunde

Als ich vor ca. zwei Jahren hörte, dass „Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot“ von Max Brooks verfilmt werden soll, dachte ich entsetzt: wie will man dieses Buch denn filmisch umsetzen?! Auf Anhieb konnte ich mir nur eine Fake-Dokumentation über eine menschenauslöschende, zombieerweckende Seuche vorstellen. Trotzdem war meine Vorfreude enorm und wurde durch die Marketingaktionen zum Film sogar noch geschürt. Es sollte ein monströses Zombie-Meisterwerk werden, ein todsicherer Kassenschlager, ein Horror-Action-Overkill. Immer wiederkehrende Presseberichte über Zoff im Produktionsteam und andere Probleme trübten mein Herbeisehnen nicht, aber hat sich das Warten gelohnt?

Handlung:

Gerry Lane (Brad Pitt) lebt mit seiner Frau Karin (Mireille Enos) und den gemeinsamen Töchtern ein harmonisches Familienleben. Die Idylle wird zerrissen, als wie aus dem Nichts eine merkwürdige Krankheit um sich greift, die Tote wieder auferstehen lässt und sie zu aggressiven, blutdurstigen und unaufhaltsamen Menschenfressern macht. Gerry, der ehemals bei der UN gearbeitet hat, gelingt es aufgrund seiner Kontakte, sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Während seine Frau und die Töchter auf einem Schiff Notunterkunft finden, muss Gerry im Auftrag seines alten Arbeitgebers den Ursachen der Pandemie auf den Grund gehen und ein Gegenmittel finden…

Kritik:

Der in Deutschland geborene Regisseur Marc Forster hat schon seit dem Beginn seiner Karriere immer wieder an erfolgreichen Filmen mit Starbesetzung mitgewirkt, darunter „Monster’s Ball“ (2001), „Wenn Träume fliegen lernen“ (2004) oder „Ein Quantum Trost“ (2008). Mit dieser genretechnisch sehr homogenen Filmografie beweist Foster seine Fähigkeit, sich auf verschiedenste Gattungen einzulassen und unabhängig von der Filmkategorie oder vermittelten Stimmung qualitativ hochwertige Geschichten abzuliefern. In Kritikerkreisen wird Foster jedoch häufig mangelnde Kreativität nachgesagt. Was „World War Z“ angeht, muss ich den kritischen Stimmen zum Teil beipflichten.

Zu Beginn des Films informieren Nachrichtenfetzen aus dem Fernsehen den Zuschauer über das Umsichgreifen einer mysteriösen Seuche. Alltagsszenen und Trash-TV mischen sich mit ernsten Beiträgen über die rätselhafte Krankheit. Dann wird die Familie Lane vorgestellt, wie sie bilderbuchmäßig in den Tag startet. Alle haben sich lieb und auch das obligatorisch an Asthma erkrankte Kind fehlt nicht. Das ist kein neuer Einstieg, aber das ist nicht der Kritikpunkt. Es kann auch aus diesem 0815-Anfang immer noch ein Zombieepos werden. Die plötzliche Massenpanik in den Straßen kommt wie aus dem Nichts. Auf einmal drehen alle durch, fahren Leute um, schreien, knabbern blutgierig aneinander rum. Dieser harte Szenenwechsel soll den Zuschauer mitten ins Getümmel reißen, stattdessen bleibt man wie bestellt und nicht abgeholt und starrt auf das Wirrwarr aus Autounfällen, Rauch und Gebeinen. Den gängigen Erdenbewohner sollte dies aus der Verfassung bringen, nicht aber die Familie Lane. Sie bewahrt einen erstaunlich kühlen Kopf während der Konfrontation mit Menschenfressern und herumspritzenden Gehirnen. Panik? Fehlanzeige. Gerry, Frau und Kinder führen brav Befehle „von Oben“ aus und zeigen dabei wenig Substanz. Dass eine Familie die Hauptcharaktere bildet, zielt wahrscheinlich auf höhere emotionale Bindung ab, stört aber vielmehr das Spannungserleben des Films. Es gibt wenige Dialoge im Film, was in einem Actionfilm auch nicht wirklich nötig ist, wenn die Schauspieler sich hervortun. Darauf warte ich vergeblich. Brad Pitt zum Beispiel spielt maximal sich selbst – einen liebenden, kümmernden Familienvater.

In den letzten zwei Dritteln des Films liegt der Fokus auf der Suche nach den Ursachen und Heilungsmethoden der Masseninfektion. Während des Auftrags werden Gerry und seine Begleiter immer wieder durch Zombieangriffe aufgehalten. Da wäre Platz für ein episches Endzeitszenario, aber die Ereignisse reißen nicht wirklich mit. Die visuell beste Szene nimmt das Kinoplakat schon vorweg. Gelobt werden muss allerdings die innovative Darstellung der Verwandlung von Toten zu Wiedergängern, die war wirklich mal etwas spezieller. Reizvoll war außerdem der, im Vergleich zu genreverwandten Filmen, detailliere Einblick in fremde Länder während der Pandemie.

Fazit:

Alles in allem überzeugt der Film vor allem visuell. Die knapp 200 Millionen US Dollar teure Produktion liefert bildgewaltige Szenen und spart dafür an Dialogen. Ein Vergleich zur Buchvorlage ist kaum möglich. Hätte ich nicht gewusst, dass der Film auf Max Brooks „Operation Zombie“ basiert, wäre es mir wahrscheinlich nicht mal aufgefallen. „World War Z“ ist kein typischer Zombiefilm, sondern eher ein recht guter Actionfilm. Die Gelüste eingefleischter Zombiefans wird er nicht befriedigen.

Übrigens: Gerüchten zufolge soll aus dem Z-Spektakel eine Trilogie werden. Manch einer mag aufschreien, aber meine Vorfreude ist erst mal gedämpft.

[reibeisen]

motion picture manaics couchpotatoe

Ich will mal nicht so sein und vergebe trotz meiner Kritikpunkte 7 von 10 Couchpotatoes.

Trailer Quelle: vipmagazin

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