Filmkritik: Zombieland

… wo sich Zombies ein Loch in den Kopf freuen

Ein argloser Fastfood-Restaurantbesucher beißt genüsslich in seinen BSE-verseuchten Burger und ahnt nicht, welche Wellen er damit los tritt. Der losgelöste Infekt greift das Gehirn an und verbreitet sich rasend schnell von Mensch zu Mensch. Nur zwei Monate nach dem fatalen Imbiss gleicht die Erde einem Ort der Zerstörung. Was mit einem Burger begann, ufert zum globalen Untod aus.

Handlung:

Student Columbus (Jesse Eisenberg) ahnt noch nichts von der Epidemie, als er statt am Collegeleben teilzunehmen den Freitagabend lieber alleine vor dem PC verbringt. Der nerdige Einzelgängiger ist das, was man gemeinhin als Loser betitelt. Als vor der Tür seines Wohnheimzimmers die schöne Nachbarin (Amber Heard) verzweifelt um Einlass bittet, ahnt er noch nicht, dass sein Stubenhockerleben ein jähes Ende findet. Gerade genießt er noch die Nähe zur schönen Blonden, die ihm erzählt, sie sei von einem Obdachlosen gebissen worden, doch schon kurz darauf verwandelt sie sich in einen blutrünstigen Menschenfresser. Columbus ergreift die Flucht und macht sich auf den Weg nach Ohio um seine Eltern zu suchen. Im Gepäck hat er ein Regelwerk, bestehend aus über dreißig Grundsätzen, die sein Überleben sichern sollen. Auf einem Highway wird Columbus von Tallahassee (Woody Harrelson) aufgegabelt, einem abgebrühten Neuzeit-Cowboy. Gemeinsam fahren die beiden ungleichen Überlebenden gen Osten und machen nur hin und wieder Halt, damit Tallahassee sich auf die Suche nach seinen heißgeliebten Twinkies, amerikanischen Minikuchen, machen kann. Bei einem dieser Stopps treffen die beiden auf die Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin). Statt der Zusammenführung zu einem fröhlichen Vierergespann folgen nun jedoch hinterlistige Meutereien, eine unermüdliche Twinkies-Jagd und jede Menge Zombiegemetzel…

Kritik:

Das neue Jahrtausend sieht düster aus. Zunehmend bevölkern Untote unsere Bibliotheken und Kinosäle. Buchautoren und Filmemacher haben diesen Trend schnell aufgegriffen und fördern immer neue Stories zutage. Nach Vampirstories, -serien und -filmen in allen erdenklichen Variationen darf man nun mit einem Schwung Zombies auf den Bildschirmen rechnen. Während die bleichen Blutsauger insbesondere weiblichen Anklang finden, erfreuen halb verweste Wiedergänger Männlein und Weiblein gleichermaßen. Das oft verspottete, überwiegend von einem Insiderkreis gehuldigte Zombiegenre erfährt nicht zuletzt durch den großen Serienerfolg von „The Walking Dead“ sein Revival. Auch aktuelle Kinofilme wie „Warm Bodies“ und „World War Z“ (beide 2013) treiben die Erfolgsspirale weiter an.

Ruben Fleischers „Zombieland“ (2009) fällt in die Kategorie Horrorkomödie und verarbeitet das Thema Untote auf amüsante und zeitgemäße Weise, ähnlich wie in den artverwandten Streifen “Shaun of the Dead” (2004) und “Tucker und Dale vs. Evil” (2010). Die Autoren Rhett Reese und Paul Wernick (beide: „G.I. Joe – Die Abrechnung“, 2013) haben einen Zombiefilm ausgeklügelt, der lustig ist, ohne lächerlich zu werden.

Gitarrenlastiges Dröhnen von Metallicas „For whom the Bell tolls“, gepaart mit apokalyptischen bluttriefenden Bildern in Slow-Motion-Einstellungen, werfen den Zuschauer von Beginn an in die Geschichte und geben einen aktuellen Stand der Zombieinvasion. Obligatorisch sind die mit einer wackligen Handkamera aufgenommenen Bilder der Zerstörung und wie aus dem Nichts kommende, weltweite Brände. Es bleibt keine Zeit für Einstimmung, der Zuschauer ist sofort von blutrünstigen Untoten umringt.

Der Bruch kommt erst, als Hauptfigur Columbus im Voice Over seine Geschichte erzählt. Er ist der fragwürdige Held der Story und scheint mit seinen wahnwitzigen Phobien, chronischen Ängsten und Reizdarmproblemen nicht gerade dem Partner zu entsprechen, den man während einer Zombie-Apokalypse gerne an seiner Seite hätte. Der Kontrast zwischen dem Weltuntergangsthema und dem Charakter ist amüsant. Columbus geht immer geduckt, ist zittrig und angespannt und sieht selbst mit geladener Waffe in der Hand nicht ernstzunehmend aus. Dafür punktet er mit einer Reihe aberwitziger, aber dennoch überraschend hilfreicher Regeln, die sein Leben sichern sollen: Reise mit leichtem Gepäck, überprüfe den Rücksitz, Vorsicht auf dem Klo. Das sind Grundsätze, die auch außerhalb von Katastrophen und Armageddon empfehlenswert sein dürften. Im Film sind sie überlebenswichtig, denn wir haben es nicht wie so oft mit schleichenden, stöhnenden Stinkern zu tun, sondern mit Zombies, die zunehmend schlauer werden und rennen können. Und damit sind wir bei einem der Hauptstreitpunkte angekommen: dürfen ‚echte‘ Zombies schnell laufen und eigenständig denken? Als selbsternannter Zombiefanatiker sage ich nein, aber in manchen Filmen funktioniert es – so wie auch in diesem. Und wer gedacht hat, dass es nicht Gruseligeres als Clowns oder Zombies gibt, der wird in diesem Streifen bei der Konfrontation mit einem gleichsam großen wie grausamen Zombie-Clown eines Besseren belehrt.

Wie in anderen Filmen aus dem Genre, liegt der Handlungsfokus auf einer Gruppe unterschiedlichster Reisegenossen: den Macho Tallahassee, die schöne Wichita, die freche Little Rock und den Loser Columbus. Während es zumeist um die Suche nach einem Gegengift und dem Ende der Seuche geht, zählt in „Zombieland“ nur das blanke Überleben (und die beharrliche Suche nach Twinkies). Dabei bleiben auch Namen auf der Strecke. Alle Figuren sind nach ihren Reisezielen benannt. In Zeiten von Tod und Flucht muss man halt Prioritäten setzen.

Bemerkenswert ist der Soundtrack, den Musikproduzent Dave Sardy zusammengestellt hat. Jeder Titel sitzt, selbst wenn sich zum Teil herrliche Musik-Bild-Scheren ergeben, wie beispielsweise als die Truppe zu den fröhlichen Klängen von Doves „Kingdom Of Rust“ durchs ausgestorbene, verwüstete L.A. braust.

Übrigens: Lange rankten sich Gerüchte um einen möglichen Fortsetzungsfilm. Dieses Vorhaben verblasste im Laufe der letzten Jahre zunehmend, bis im Frühling dieses Jahres eine Neuverfilmung in Form eines Serienpiloten produziert wurde. Da diese erste Folge beim Testpublikum durchfiel, liegt nun auch die Serienproduktion auf Eis.

Fazit:

„Zombieland“ ist nicht zu Unrecht einer der erfolgreichsten Filme seiner Kategorie und besticht mit Humor und Abenteuerfeeling. Der Wechsel zwischen lustigen Szenen und Gruselsequenzen, untermalt von einem perfekt abgestimmten Soundtrack, dürfte auch bei sensiblen Gemütern immer noch für beste Unterhaltung sorgen. Besonders hervorzuheben ist außerdem der Cameoauftritt von Hollywoodgröße Bill Murray.

[reibeisen]

8 Couchpotatoes photo 08-couchpotatos.jpg

Ich vergebe 8 von 10 Couchpotatoes.

Trailer: SonyPicturesGermany

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