Filmkritik: Die Legende von Aang

Der Herr der lauen Lüftchen

Im Jahr 2010 nahm sich Regisseur M. Night Shyamalan – fünf Euro für denjenigen, der diesen Namen fehlerfrei aussprechen kann – der Animeserie „Avatar – Der Herr der Elemente“ an, um diese in einen Realfilm zu verwandeln. Sein ambitionierter Plan bestand darin jede der drei Serien-Staffeln in jeweils einen Film zu packen. Es gab also jede Menge Stoff für 99 Minuten des ersten Versuchs.

Handlung:

Worum geht es nun also konkret? In einer Welt bestehend aus vier Nationen, welche jeweils einer der vier Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde zugeschrieben werden können, gibt es besondere Menschen, die fähig sind diese Elemente zu beherrschen – die Bändiger. Doch gibt es nur einen Menschen, der alle Elemente kontrollieren kann – der Avatar. Der Avatar steht für Frieden, doch ausgerechnet als die Feuernation den anderen Ländern den Krieg erklärt und die alleinige Herrschaft an sich reißen will, verschwindet er plötzlich und die Menschen halten ihn für tot. Hundert Jahre später finden die beiden Geschwister Sokka (Jackson Rathbone) und Katara (Nicola Peltz), aus dem Wasserstamm, einen Jungen und sein Flugbison im Eis eingeschlossen. Dieser Junge ist kein geringerer als der verstorben geglaubte Avatar Aang (Noah Ringer). Zu dritt wollen sie sich der Feuernation stellen und der Welt den Frieden zurückbringen. Kein einfaches Unterfangen, da der verstoßene Prinz Zuko, Sohn des Feuerlords Ozai (Cliff Curtis), seine Ehre wiederherstellen will, indem er den Avatar gefangen nimmt. So beginnt für Aang, Katara und Sokka eine abenteuerliche und gefahrvolle Reise. Doch dem nicht genug, muss Luftbändiger Aang auch noch lernen die anderen drei Elemente zu beherrschen.

Kritik:

Nun werden Verfilmungen, beziehen sie sich  auf Bücher, Zeichentrickserien oder Comics, ja immer besonders kritisch gesehen. Die eingefleischten Fans können diesen Film wohl nie ganz objektiv betrachten. Also sei vorweggenommen, dass es auch mir, als Avatar-Fan, so geht. Der Anime ist eine bezaubernde Serie, mit tollen Charakteren, einer schönen Geschichte und viel Liebe zum Detail. Der Film hat versucht die Atmosphäre des Originals einzufangen und die wichtigsten Stationen von Buch 1, welches dem Element Wasser gewidmet ist, dem Zuschauer zu präsentieren. Bei einem Versuch ist es leider auch geblieben. Die Umsetzung lässt allein schon bezüglich der Besetzung zu wünschen übrig. Der Charakter mit der blassesten Hautfarbe, Prinz Zuko, wird von Indiens „Slumdog Millionaire“ Dev Patel gespielt und im Vergleich wirkt der Wasserstamm, der im Original doch an das Volk der Eskimos erinnert, eher bleich. Feuerlord Ozai hat auf einmal kurzes Haar anstatt einer langen Mähne. Die Gesichtszüge wirken eher weich und erinnern nur wenig an einen skrupellosen Herrscher. General Iroh (Shaun Toub), der gutmütige Onkel Zuko’s, ist kein kleiner, dicker, gemütlicher Mann mehr, sondern ein breitschultriger Kämpfer in Rüstung.

Neben den Äußerlichkeiten hat man auch bei der charakterlichen Umsetzung der Figuren nicht viel Wert auf Originaltreue gelegt. Die Persönlichkeiten wirken eher platt, man beschränkt sich auf die groben Wesenszüge und gerade hier fällt die fehlende Liebe zum Detail auf. So ist Sokka eigentlich anfangs ein tollpatschiger und lebhafter junger Mann, der noch den Weg zum verlässlichen Kämpfer und Taktiker vor sich hat. Im Film wirkt er jedoch ernst und von Unbeholfenheit ist keine Spur. Gerade der Witz der Serie geht im Film komplett verloren. So ist Onkel Iroh mit seiner gemütlichen Art und seiner Vorliebe für Tee häufig ein Garant für Witz. M. Night Shyamalan degradiert ihn jedoch zum Babysitter Zuko’s. Prinz Zuko ist wiederum der Inbegriff eines entzweiten Charakters. Seit seiner Kindheit kämpft er um die Anerkennung seines strengen Vaters obwohl er in seinem Inneren eher seiner liebevollen Mutter gleicht. So entsteht in seinem Herzen ein Widerstreit zwischen der Wiedererlangung seiner Ehre durch die Festnahme des Avatars und seinem Bestreben nach Frieden. Diese charakterliche Entwicklung spiegelt sich im Anime durch seine Frisur wieder, die sich immer mehr vom traditionellen Zopf abwendet und kürzer wird, je mehr sein Herz Frieden findet. Eines dieser Details, welches die Serie so liebenswert macht. Dev Patel dürfen wir jedoch gleich mit modischem Kurzhaarschnitt bewundern. Ein innerer Widerstreit ist gar nicht zu erkennen. Prinz Zuko wird zum bockigen Kind, das wütend in die Welt schaut. Auch Wasserbändigerin Katara wird auf ein kleines Kind reduziert. Von der mutigen Kämpferin, die dem Team oft seelisch Kraft gibt, ist nichts zu erkennen. Mit Aang kann man sich noch ganz gut anfreunden. Immer mal wieder wird beiläufig eingeworfen, dass er als Avatar auch einige Freuden des Lebens aufgeben muss, auf eine tiefgründige Aufarbeitung dessen wartet man vergeblich. Die Schwierigkeiten des Bändigens, der damit verbundenen Lehrersuche und die Überzeugung der hoffnungslosen Menschen von der Rückkehr und Hilfe des Avatars werden ebenfalls nur am Rande in den großen Filmtopf geworfen.

Doch mehr als Beiläufigkeiten kann man wohl auch nicht erwarten wenn man versucht 20 Folgen in gerade einmal 99 Minuten Film zu pressen. Da geht von der Handlung und von den Charakteren einiges verloren – wo sind die Kyoschikriegerinnen und wo ist Jet?  Zumal man ja für den angestrebten Mainstream-Geschmack des Zuschauers die Kampf- und Schlachtszenen besonders ausbauen muss. Obwohl die Kampfszenen zwischen den Bändigern schöne Bilder ergeben und wohl das Beste am Film sind, haben sich auch hier Ungenauigkeiten eingeschlichen. Es fehlt teilweise die kunstvolle Beinarbeit der Feuerbändiger, denen scheinbar die Fähigkeit abhanden gekommen ist das Feuer selbst zu erzeugen. Außerdem wirkt Aangs Wind weniger wie ein starker Sturm als ein laues Lüftchen.

Fazit:

„Die Legende von Aang“ ist aber durchaus ein unterhaltsamer Film, mit netter Geschichte und tollen Bildern. Die teilweise flache und mangelhafte Umsetzung kann die Serien-Fans wohl nur kaum überzeugen, doch für alle anderen kann dieser Film ein schönes Fantasy-Abenteuer werden. Ein paar Minuten mehr hätten der Handlung aber sicher nicht geschadet.

Ein kleines P.S.-Bonbon für die eingefleischten Avatar-Fans zum Aufregen: Ein Synchronisations-Fauxpas am Ende – Hab ich da die Serienstimme von Toph bei Azula gehört???

[atari]


Ich vergebe 5/10 Couchpotaoes.

Trailer: ParamountGermany

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