The Great Gatsby

Bunt, bunter, Baz

The Great Gatsby von F. Scott Fitzgerald ist ein Roman an dessen Verfilmung sich schon viele versucht haben.  Im diesem Jahr nahm sich nun Regisseur und Drehbuchautor Baz Luhrman diesem gewagten Projekt an, der bereits mit „William Shakespeares Romeo + Julia“ (1996) eine gelungene Literaturverfilmung lieferte, und setzte dem Werk dabei seinen ganz eigenen Stempel auf.

Handlung:

Doch zuerst für alle, die weder eine der vier vorigen Verfilmungen gesehen oder das Buch gelesen haben, eine kurze Beschreibung der Story. Nick Carraway (Tobey Maguire) ist wegen Depressionen im Sanatorium und schreibt seine Geschichte nieder – die Geschichte über den großen Mr. Gatsby (Leonardo DiCaprio). Es ist 1922 und Nick kommt in die Weltmetropole New York um dort den großen Erfolg in der Wirtschaft zu machen. Doch ohne Erfahrung und Kontakte ist er nur ein kleiner Fisch in dieser großen Welt. Eine Unterkunft findet er in einem kleinen Häuschen auf Long Island, im Schatten einer gewaltigen und prachtvollen Villa. Was er zu Beginn nicht ahnt, er ist nun der Nachbar des sagenumwobenen Jay Gatsby – der bekannteste Mann der Stadt. Doch was macht Gatsby so besonders? Er ist ein reicher Lebemann, der einfach jeden kennt und scheinbar aus dem nichts ans große Geld gekommen ist. Jede Woche feiert er eine riesige, bunte Party in seiner Villa und die ganze Stadt feiert mit. Doch hat nie jemand Mr. Gatsby persönlich gesehen. So ranken sich die kuriosesten Gerüchte um ihn. Eines Tages erhält Nick Carraway eine Einladung zu diesem Spektakel – er ist der erste, der je persönlich eingeladen wurde. Er erhält nun einen Einblick in die exzessive Partywelt der Reichen und Schönen. Völlig überwältigt von den Geschehnissen um ihn herum wird er plötzlich von einem Mann überrascht – es ist Mr. Gatsby. Er stellt sich Nick persönlich vor, zeigt ihm sein Haus und entführt ihn in seinen ganz eigenen New Yorker Kosmos. Schnell gewöhnt sich Nick an die Freuden dieses Lebens. Doch Jay Gatsbys Freundschaft zu diesem einfachen Mann ist nicht ganz uneigennützig. Da ist noch das Haus am anderen Ende des Sees, auf dessen grünes Laternenlicht er jede Nacht sehnsüchtig blickt.  Dort lebt die bezaubernde Daisy Buchanan (Carey Mulligan), Carraways Cousine. So beginnt eine Geschichte über ausgefallene Partys, eine große Liebe, wilde Exzesse und eine verkommene Gesellschaft.

Kritik:

The Great Gatsby ist ein Film, der wohl bei jedem einen gewissen Nachgeschmack hinterlässt. Kaum einer geht aus diesem Film ohne darüber zu diskutieren. Neben der verzwickten Geschichte auf mehreren Ebenen, liefert auch Luhrmans Umsetzung des Romans einiges an Diskussionsstoff. In typischer Baz Luhrman Manier liefert uns diese Verfilmung ein gewaltiges Feuerwerk an bunten Bildern, pompösen Kostümen und grandiosen Schauplätzen. Aufgrund der Länge des Films und der teilweise ruhigen Erzählweise prasseln die vielen Reize aber nicht zu stark auf den Zuschauer ein. Liefern die Partys fast einen Overload an Bildgewalt, verschaffen einem die Dialoge wieder Gelegenheit zum durchatmen. Diese Zeit ist auch nötig um die Gedanken ordnen zu können, damit man den wichtigen Details der Story folgen kann. Zu Beginn werden dem Zuschauer nur einzelne Puzzleteile hingeworfen aus denen er sich sein Gesamtbild vom großen Mr. Gatsby basteln muss. Es ist nicht ganz klar wie sein Charakter gestrickt ist, welche Motive ihn bewegen oder welche Vergangenheit ihn umgibt, die ihn zu solch wahnwitzigem Reichtum verhalf. Neben der Geschichte um Gatsby, Nick und Daisy, erspinnt sich außerdem noch ein weiterer Faden, der Kritik am Lebemann-Lifestyle der reichen Geschäftsleute auf Kosten der einfachen Arbeiter üben soll. Beiden Handlungssträngen zu folgen ist eigentlich kein schwerer Akt, doch scheinen beide nur lose miteinander verwoben, sodass der Zuschauer sie nie ganz in Einklang miteinander bringen kann. So verwundert es auch nicht, dass gleich zwei Höhepunkte auszumachen sind. Man hat das Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz passt bei diesem Film. Diese Meinung kann sich wohl zunächst auch bezüglich der Filmmusik einstellen. Obwohl der Plot in den 1920er Jahren spielt und die meisten wohl flippige Charleston-Musik erwarten, trifft man bei Luhrman auf ganz andere Töne. Er bleibt seinem Stil treu und liefert uns eine verrückte, aber gelungene Verbindung der alten Zeit mit neuen Tunes. Dieses Talent konnten wir ja bereits bei Moulin Rouge (2001) bewundern. Für Luhrman-Neulinge mag dieser Stilmix, oder Stilbruch, zunächst etwas unpassend erscheinen. Doch gewöhnt man sich schnell an die HipHop-Größen unserer Tage zur Unterstreichung der goldenen 1920er Jahre. Baz Luhrman schafft es einfach immer wieder musikalisch zusammenzuführen, was auf den ersten Blick nicht passt.

Ebenso überzeugen auch die schauspielerischen Leistungen. Besonders Leonardo DiCaprio glänzt in seiner Rolle als großer Gatsby. Er schafft es gekonnt zwischen coolem Lebemann, geheimnisvollem Geschäftsmagnat und unsicherem Liebestollen zu wechseln. Jede dieser Facetten nimmt man ihm zu hundert Prozent ab und leidet mit dem tragischen Helden. Auch Tobey Maguire liefert wieder eine gute Leistung, doch leider bietet ihm seine Figur nicht den nötigen Raum sein Talent voll auszuschöpfen. Carey Mulligan mimt das unsichere, kleine Mädchen perfekt. Überraschend ist wohl Isla Fisher in einer ernsten und tragischen Rolle – daran kann man sich durchaus gewöhnen.

Fazit:

The Great Gatsby ist ein gelungenes Feuerwerk an bunten Bildern, wie wir es von Baz Luhrman gewohnt sind. Dennoch ist dieser Film keine leichte Kost. Eine dramatische Story auf zwei Ebenen, die tragische Person Gatsbys und die anklingende Gesellschaftskritik liefern Stoff zum Nachdenken. Mag sich manch einer davon doch ab und zu in den unterhaltsamen Partyszenen erholen müssen, so sorgen diese Exzesse bei manch anderen vielleicht wieder für eine gewisse Reizüberflutung. Diese Mischung aus Drama und pompöser Bildgewalt ist leider nicht immer perfekt gelungen, aber es entsteht doch eine sehenswerte Verfilmung dieses Klassikers.

Wem der Film dennoch zu langatmig erscheint, macht sich einen Spaß daraus und spielt ein kleines Trinkspiel – auf das Stichwort „alter Knabe“ heißt es dann hoch die Tassen.

[atari]

Ich vergebe 7 von 10 Couchpotatoes.

Trailer: Warner Bros. Pictures

 

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4 Gedanken zu “The Great Gatsby

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