Filmkritik: Man of Steel

Der (blau-rote) Stoff, aus dem Helden gemacht sind

Ich oute mich gleich zu Beginn: noch nie habe ich einen „Superman“ Comic auch nur angerührt, geschweige denn gelesen. Dennoch blieb mir in meiner fernsehgeprägten (und gleichwohl glücklichen!) Kindheit kaum ein Film oder Zeichentrick über Clark Kent und seinen Alter Ego erspart. Deshalb – und aufgrund meiner Vorliebe für Comicverfilmungen – wartete ich wie viele Andere erwartungsvoll auf die Neuverfilmung über den Urvater aller Superhelden. Vielleicht war die Vorfreude etwas zu hoch, denn ich verließ den Kinosaal nicht in dem erwarteten von überschwänglichen Emotionen gepeitschten Zustand…

Handlung:

Der Planet Krypton, und mit ihm all seine Bewohner, steht kurz vor dem Untergang. Jor-El (Russel Crowe) und Lara Lor-Van (Julia Omond) schicken vor der Katastrophe ihren neugeborenen Sohn Kal-El in einer Raumkapsel ins All, um nicht nur das Baby zu retten, sondern auch das Überleben des eigenen Volkes zu sichern. Auf der Erde wird Kal-El im ländlichen US-Staat Kansas von liebevollen Adoptiveltern (Kevin Costner und Diane Lane) unter dem Namen Clark Kent großgezogen, doch wirklich heimisch fühl er sich nie. Clark hat außergewöhnliche Kräfte und Fähigkeiten, die er weder begreifen, noch verbergen kann und die ihn immer wieder in Konflikte mit sich selbst und seiner Umwelt bringen. Als Erwachsener (Henry Cavill) ist er ruhelos und unstetig, wechselt unter getarnten Identitäten die Jobs und nutzt seine unmenschliche Stärke, um Leben zu retten. Clark ist stets bemüht, seine Begabungen zu verheimlichen, doch als ein Raumschiff auf der Erde landet, begibt er sich sofort auf Spurensuche und erfährt die Wahrheit über seine Herkunft. Mit dem Raumschiff trifft jedoch auch die Bedrohung auf der Erde ein: General Zod (Michael Shannon) und andere überlebende kryptonische Krieger wollen aus der Erde ihren zerstörten Heimatplaneten neu erschaffen.

Kritik:

Farbenfroher geschniegelter Superheld gefällig? Gibt’s hier nicht! Schon die Trailer und Promofotos zu „Man of Steel“ versprachen: Schluss mit Lustig! Im Vergleich zu früheren Superman-Verfilmungen mit tendenzieller Heiterkeit und familienfreundlichen Stories, schlägt die Neuauflage einen deutlich ernsteren Ton an.

Die filmische Handschrift von Regisseur Zack Snyder ist vor allem in den langgezogenen, aus verschiedenen Blickwinkeln bis ins Kleinste ausgeschlachteten Kampfszenen und der fantastischen Bildgewalt zu lesen. Wie auch in seinen vorherigen Filmen (darunter „300“, „Watchmen“ und „Sucker Punch“) beweist Snyder seine Vorliebe und sein Talent für atemberaubende Schlachten. An Kämpfen fehlt es dem Film nicht – im Gegenteil. Die erste Hälfte des über zwei Stunden andauernden Heldenspektakels ist geprägt von ruhigen Bildern, Dialogen, Rückblicken und lässt die Zuschauer angespannt auf den dramatischen Wendepunkt warten. Und als dieser dann schließlich kommt, scheint er kein Ende zu nehmen. Die zweite Filmhälfte liefert eine nicht-enden-wollende Anhäufung von actiongeladenen Kampfszenen und schonungsloser Zerstörung, die immer wieder von kurzen ruhigen Sequenzen unterbrochen werden. Doch diese reichen nur für eine kleine Atempause, schon dominieren wieder einstürzende Gebäude, weggelaserte Wohnlandschaften, Feuer und Fäuste. Selbst für eingefleischte Actionfans kann das nur zu viel sein. In dem in beängstigende Länge gezogenem Finale sinken nicht nur städtische Skylines, sondern bald auch die Aufmerksamkeit und die Spannung.

Der grandiose Komponist Hans Zimmer liefert den Soundtrack zum Film und macht mit seiner unverwechselbaren Musik häufig wieder gut, was Bild und Dialoge an Spannung nicht halten können. Dennoch gerät die musikalisch-dramaturgische Begleitung hier leider ziemlich in den Hintergrund und liefert kein eingehendes einprägsames Thema, wie es beispielsweise zuletzt bei „The Dark Knight Rises“ der Fall war.

„Man of Steel“ hat alles, was ein guter Blockbuster braucht: Action, Drama und einen Hauch Romantik, aber dennoch will der Funke nicht recht überspringen. Auch scheint die witzige Komponente, wie man sie vor allem aus Marvel-Verfilmungen gewöhnt ist, gänzlich zu fehlen. Clark Kent ist nicht lustig – zumindest nicht gewollt. Bei einigen Szenen ist man sogar verunsichert ob der fragwürdigen Komik.

Trotz anfänglicher Skepsis meistert der britische Schauspieler Henry Cavill die Rolle des Superman souverän und mimt den muskelbepackten Hühnen, der von seinen eigenen Kräften verunsichert ist und immer ein Außenseiter bleibt, authentisch. Identifikationsgefühle und Nähe für die Hauptfigur bleiben dennoch aus. Es gelingt nicht, ehrliche Sympathie für Clark Kent aufzubauen, dafür jedoch für sein Alter Ego. Kaum sind Anzug und Cape übergeworfen entflammt die begeisterte Bewunderung für Superman und zeigt genau das, was sich der Zuschauer wünscht: einen leibhaftigen Superhelden. Die typische schwarze Gelfrisur hält allen Widersachern stand und zumindest das sorgt für ein Schmunzeln. Egal ob Schutt, Feuer oder Tornados – Hauptsache, die Haare liegen.

Fazit:

Der neue Superman-Film ist mit Sicherheit ein Kinohighlight und ein Blockbuster, aber ein filmisches Ausnahmewerk ist er nicht. Was an Spannungselementen fehlt, machen die visuell beeindruckenden Szenen wieder wett. Actionfans kommen voll auf ihre Kosten. Und wer trotz der abgeschlossenen Handlung noch nicht genug hat, darf sich freuen: aufgrund des bisherigen Kinoerfolges ist bereits eine Fortsetzung angekündigt.

Tipp: Wenn möglich in 2D gucken. Der Aufpreis lohnt sich nicht, da die 3D-Effekte sehr subtil sind.

[reibeisen]

Ich vergebe 7 von 10 Couchpotatoes.

Trailer: Warner Bros. Pictures

Advertisements

2 Gedanken zu “Filmkritik: Man of Steel

  1. Pingback: Filmschurken 2013 | Motion Picture Maniacs

  2. Pingback: Die besten Filme 2013 | Motion Picture Maniacs

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s